Kapitel V
Die Krematorien von Majdanek

1. Einiges über die Geschichte der Firma H. Kori

Die beiden im KL Majdanek installierten Krematorien waren mit Öfen ausgestattet, welche die Firma H. Kori G.m.b.H. [254] mit Sitz in Berlin, Potsdamer Straße 111, gebaut hatte. Diese im Jahre 1887 gegründete Firma spezialisierte sich schon bald auf die Konstruktion von Verbrennungsöfen zur Beseitigung von Tierkadavern. Die erste Anlage dieses Typs wurde von ihr im Herbst 1892 im Schlachthof von Nürnberg errichtet.

Im November des Jahres 1901 schlug Dr. Th. Weyl bei einer Sitzung der Ärztekammer der Provinz Brandenburg vor, die Leichen der Opfer der damals in jener Gegend wütenden Pestepidemie einzuäschern. Er wandte sich an Ingenieur Hans Kori, der über diesbezügliche Erfahrung verfügte. Kori antwortete, er sei in der Lage, einen Verbrennungsofen für 2.750 Mark innerhalb von 36 Stunden zu montieren und sogleich in Gang zu setzen[255]. Ob ein solcher Ofen dann auch tatsächlich errichtet worden ist, wissen wir nicht.

1905 hatte Firma Kori 55 »Tierleichen-Verbrennungsöfen« installiert, neun Jahre später bereits 160[256]. Nach und nach dehnten sich die Aktivitäten des Unternehmens auf den Bau von Einrichtungen zur Verbrennung von Abfällen aller Art aus. 1927 betrug die Anzahl der von Kori verkauften dementsprechenden Installationen ungefähr 3.500[257].

Erst verhältnismäßig spät begann Kori mit dem Bau von Krematorien. Zu jenem Zeitpunkt wurde der deutsche Markt diesbezüglich von vier Firmen beherrscht. Anfang 1925 bestanden in Deutschland 142 Krematoriumsöfen. Von diesen hatte die Firma Richard Schneider/Didier, Stettin, 64 hergestellt, die Firma Gebrüder Beck, Offenbach, 42, die Firma J.A. Topf & Söhne, Erfurt, 21 und die Firma Wilhelm Ruppmann, Stuttgart, 15[258]. Die beiden erstgenannten Firmen befanden sich damals auf dem absteigenden Ast, während die Topf einen raschen Aufstieg zu verzeichnen hatte. Es gelang der Kori, wenn auch mit Mühe, einen Marktanteil für sich zu ergattern, indem sie in den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit als Krematorienherstellerin ebenso viele Öfen installierte: Zwei im Jahre 1926 in Hagen (Westfalen), einen im Jahre 1927 im Krematorium von Weissenfels und weitere zwei im Jahre 1930 im Krematorium von Schwerin[259]. Zu Beginn der dreißiger Jahre war die Topf zur führenden Herstellerfirma solcher Öfen geworden, während die Kori nach den Gebrüdern Beck, der Schneider-Didier und der Ruppmann den letzten Rang belegte[260].

Nichtsdestoweniger war der Beitrag des Firmengründers Ingenieur Hans Kori zur Entwicklung der Kremierungstechnik in Deutschland sehr bedeutend. Das preußische Gesetz vom 14. September 1911 erlaubte lediglich das von Friedrich Siemens ausgedachte Verbrennungssystem mittels reiner Heißluft (das sogenannte »völlig indirekte Verfahren«), bei dem die Leiche im Rekuperator durch auf 1.000 Grad Celsius erhitzte Luft zu Asche verwandelt wurde, ohne daß die Verbrennungsprodukte des Generators in die Muffel gelangen durften. Im Februar 1924 wandte sich Ingenieur Hans Kori an das Polizeipräsidium in Berlin-Schönberg und reichte den Antrag ein, das Gesetz vom 14. September 1911 zu revidieren. Kori hatte nämlich mit seinen Tierkadaververbrennungsöfen, bei denen die Kadaver direkt den Verbrennungsprodukten des Generators ausgesetzt wurden, die Erfahrung gesammelt, daß man dabei im Vergleich zum »völlig indirekten Verfahren« erheblich weniger Brennstoff brauchte.

Der Ingenieur legte dar, daß die Beweggründe, die zum Erlaß des erwähnten Gesetzes geführt hatten, nicht stichhaltig gewesen waren, und zwar schon deshalb, weil die Leiche mit dem Sarg in den Ofen eingeführt wurde; wenn dieser in Brand geraten war, hüllte er selbstverständlich den Leichnam in Flammen ein. Zudem brannte letzterer, wenn die in ihm enthaltene Flüssigkeit verdampft war, von alleine. Weiter fiel ins Gewicht, daß beim »völlig indirekten Verfahren« die Temperatur während des Verdampfens der Körperflüssigkeit stark sank; dies konnte man nur vermeiden, indem man die Verbrennungsprodukte des Generators in den Verbrennungsraum leitete.

Kori schlug deswegen vor, auch das »direkte Verfahren« bei der Kremation rechtlich anzuerkennen. Das Polizeipräsidium Berlin unterrichtete das Ministerium des Inneren, welches sich lebhaft interessiert zeigte. Am 19. Juli 1924 schickte Kori ihm einen ausführlichen Bericht über seinen Vorschlag[261]. Die Frage wurde von der Arbeitsgemeinschaft für Brennstoffersparnis in Berlin geprüft, die Koris Vorstoß günstig beurteilte. Das Innenministerium schloß sich dieser Ansicht an und erließ am 24. Oktober 1924 ein Dekret, durch welches es die »zeitweise unmittelbare Zuleitung von Generatorengasen in den Leichenraum« für rechtlich zulässig erklärte[262].

Ironischerweise kam der heftigste Widerstand gegen Koris Vorschlag von der Firma Topf[263], die zu Beginn der vierziger Jahre zur hauptsächlichen Konkurrentin der Firma Kori beim Bau der Krematoriumsöfen für die deutschen Konzentrationslager werden sollte.

2. Struktur und Funktion der koksbeheizten Kori-Öfen
für die Konzentrationslager

Der koksbeheizte Kori-Ofen im KL Mauthausen, der am 4. Mai 1940 in Betrieb genommen wurde, war vermutlich das erste Modell der von Kori für die Konzentrationslager entworfenen Öfen.

Der Ofen steht auf einer Plattform aus Mauerwerk, wobei sich die rechte Seite an die Mauer des Bedienungsraums anschließt. An der Vorderseite befindet sich die typische Zweiflügeltür zum Schließen der Muffel.

Die Muffel ist mit einem Rost aus drei Stangen versehen, welche aus feuerfestem Schamottwerk bestehen. Sie verlaufen quer und werden in der Mitte durch eine in Längsrichtung verlaufende Stange verbunden. Unterhalb des Rostes liegt der Aschenraum, der vorne durch eine kleine Tür geschlossen werden kann. Der Generator ist im hinteren Ofenteil angebracht; die kleine Tür, durch welche sein Schacht beladen wird, sowie die darunter angebrachte Feuerungstür befinden sich an der linken Ofenseite.

Der Rost der Feuerung besteht aus 14 gußeisernen Stangen sowie zwei Querstangen zu deren Stützung. Der Beladungsschacht des Generators mündet in einen schrägen Rost aus breiten Stangen, der so konstruiert ist, daß man als Brennmaterial nicht nur Koks, sondern auch Holz verwenden kann. In der Hinterwand des Ofens ist keinerlei Hilfsvorrichtung angebracht. Das System zum Abführen der Rauchgase umfaßt eine Öffnung auf dem Muffelgewölbe im vorderen Teil des Ofens sowie einen horizontalen Rauchkanal, der mittels eines Metallschiebers geschlossen werden kann. Die Vorrichtung zur Einführung der Leiche besteht aus der Bahre, einem auf Rädern angebrachten Gestell zu deren Stützung sowie aus einer »Schamottabsperrplatte«; bei dieser handelte es sich um eine Vorrichtung zur Blockierung der Leiche in der Muffel.

Das auf diesen Prototyp folgende Modell des Kori-Ofens wies Verbesserungen auf, weshalb es auch »Reform-Einäscherungsofen« getauft wurde. Wir zitieren nun einen vom 18. Mai 1943 stammenden Brief der Firma Kori an das Amt C III des SS-WVHA, in dem dieses Ofenmodell wie folgt angepriesen und angeboten wird:

»Betrifft: Krematoriumsöfen.

Im Verfolg der mit Ihnen gehabten mündlichen Rücksprache wegen der Beschaffung einer Einäscherungsanlage in einfacher Ausführung bringen wir Ihnen unsere Reform-Einäscherungöfen mit Kohlenfeuerung in Vorschlag, die sich bisher in der Praxis bestens bewährt haben.- Wir bringen für das in Aussicht genommene Bauvorhaben zwei Stück Einäscherungsöfen in Vorschlag, empfehlen aber, durch Rückfrage nochmals festzustellen, ob diese beiden Öfen für den Bedarf ausreichend sind. Auch ist noch die Ofenanordnungsfrage klarzustellen, weil davon die Ausführung der Armaturteile sowie des Verankerungsgerippes abhängig ist. Die Ofenanlage ist möglichst in einem abgeschlossenen Raum unterzubringen und an einen etvl. Vorhandenen Schornstein anzuschließen.- Falls ein Aufstellungsraum bereits in Aussicht genommen ist, bitten wir Sie, uns hiervon einen Plan einzusenden, damit wir Ihnen einen brauchbaren Anordnungsvorschlag unterbreiten können. Den erforderlichen Platzbedarf der Öfen mit Bedienungs- und Schürstand können Sie aus den beigefügten Zeichnungen ersehen. Die Zeichnung - J.Nr. 8998 - veranschaulicht die Anordnung von zwei Öfen, wogegen nach der Zeichnung - J.Nr. 9122 - für das Bauvorhaben Dachau vier Öfen zur Ausführung gekommen sind. Eine weitere Zeichnung - J.Nr. 9080 zeigt Ihnen die Anlage Lublin mit fünf Einäscherungsöfen und zwei eingebauten Heizkammern.

Was nun die Anschaffungskosten für zwei Krematorien anbetrifft, so bieten wir Ihnen diese wie folgt an:

1) 2 Stück Reform-Einäscherungsöfen neuester Konstruktion mit gewölbter Sargkammer und horizontaler Aschenraumsohle einschließlich der gesamten Armaturteile, den Einführungs-, Bedienungs- und Reinigungstüren, den Luftrosetten, den Feuerungsgarnituren für die Hauptfeuerung und dem Ausglührost, dem vollständigen Verankerungsgerippe aus kräftigen Winkeleisenschienen und U-Eisenschienen mit Ankerstangen verbunden, allen Baumaterialen erstklassigen Schamotteform- und Normalsteinen, Schamottemörtel, Vorsatz und Hintermauerungssteinen, Mauermörtel und Zement sowie mir der gesamten Montage durch unseren Feuerungsmonteur unter Einstellung sämtlicher Hilfskräfte

je RM. 4.500 RM. 9.000

Falls die Aufstellung des zweitens Ofens in Anschluß an die erste Montage erfolgt, ermäßigt sich der Preis für den zweiten Ofen [...] also auf RM. 4.050.

In diesem Betrag sind jedoch die Kosten für Fracht und Rollgeld der Materialien frei Verwendungsteile sowie die Reisekosten für den Monteur und Reisespesen sowie Landzulage nicht enthalten. Diese Kosten würden wir gesondert zum besonderen Nachweis in Anrechnung bringen.

Ebenso schließt unser Angebot aus die baulichen Nebenarbeiten am Aufstellungsort, wie Erdaushub, Ofenfundament, Herstellung des Ofenaufstellungsraumes sowie die Rauchkanäle von den Öfen bis zum Schornstein und den Schornstein selbst.

Sobald die Anordnungsfrage für die Ofenanlage klargestellt worden ist, reichen wir Ihnen aber gern ein Sonderangebot über die Herstellung der Rauchkanäle nach.

Für die Einführung der Leichen in die Verbrennungskammer der Öfen bieten wir Ihnen noch zusätzlich an:

1) 2 Stück Einäscherungswagen, muldenförmig ausgebildet,

mit Rollen und Handgriffen, per Stück RM. 160,--

RM 320

2) 2 Stück Rollenböcke zur Auflagerung der

Einführungswagen, per Stück RM.75,--

RM 150

======

RM 470

Für den Effekt der zu liefernden Einäscherungsöfen sowie für deren Stabilität, auch für die Lieferung nur bester Materialien und Ausführung tadelloser Arbeiten übernehmen wir die volle Garantie.

Die Lieferung der gußeisernen Armaturen und Verankerungsteile sowie der Schamotteformsteine kann kurzfristig erfolgen, falls uns hierfür ein Wehrmachtfrachtbrief zur Verfügung gestellt wird.

Für die Lieferung der eisernen Ofenteile benötigen wir pro Ofen 1.460 kg, also für zwei Öfen 2.920 kg. Die Eisenanforderungsscheine hierfür finden Sie beigeschlossen.

Ihren weiteren Nachrichten gern gewärtig, empfehlen wir uns Ihnen besten mit

Heil Hitler!

H. KORI G.m.b.H.

Anlagen: 3 Zeichnungen - J.Nr. 8998, J.Nr. 9122, J.Nr. 9080 -

Eisenanforderungsscheine«[264].

Die drei diesem Schreiben beigelegten Zeichnungen befinden sich heute im Archiv der »Staatlichen Kommission zur Untersuchung der Verbrechen der Besatzer sowie deren Helfershelfer« in Belgrad.

Bei der Zeichnung J.- Nr. 8998 handelt es sich um ein Projekt für das Krematorium der SS-Neubauleitung des KL Neuengamme. Dieses besaß zwei Öfen, die mittels eines gewöhnlichen Rauchkanals mit dem Kamin verbunden waren.

Die Zeichnung J.- Nr. 9122 zeigt das Projekt, anhand dessen die vier Öfen des neuen Krematoriums (»Baracke X«) in Dachau hergestellt wurden. Öfen 1 und 4 sind an den beiden Seiten des Verbrennungsraums angebracht, Öfen 2 und 3 stehen in dessen Mitte. Sie bilden ein Paar, doch obgleich sie eine gemeinsame Wand aufweisen, sind ihre Muffeln unverbunden. Das Abführsystem für die Verbrennungsgase ist wie folgt konzipiert: Im Muffelgewölbe, im vorderen Teil jedes Ofens, befindet sich eine Öffnung, durch welche die Rauchgase entweichen können; sie mündet in einen Rauchkanal, der innerhalb der Mauerstruktur im oberen Ofenteil oberhalb der Muffel verläuft und dann zunächst schräg, darauf vertikal nach unten strebt, wobei er sich im Inneren des hinteren Ofenmauerwerks um den Generator windet und anschließend nach unten, unter den Boden des Ofenraums, weiterführt, ehe er horizontal dem Kamine zustrebt.

Die beiden Öfen des Krematoriums im KL Stutthof wiesen dieselbe Struktur auf die die zwei zentralen Öfen des Dachauer Krematoriums, doch ohne die Schamottabsperrplatte.

Die vier Öfen des Krematoriums im KL Sachsenhausen besaßen die gleiche Form wie der später erbaute Fünfmuffelofen von Majdanek. Sie bildeten zusammen eine einheitliche Einrichtung von 12,46 m Länge und 2,66 m Höhe. Das Rauchabführsystem bestand aus einem vertikalen Rauchkanal, welcher oberhalb der Ofenmuffel rechtwinklig abbog und in einen anderen, horizontalen Kanal einmündete, zu dem er senkrecht stand; dieser zweite Kanal verlief im Inneren des Mauerwerks im oberen Teil der Anlage. Die Öfen 1 bis 3 waren mit einem Schieber aus feuerfestem Schamottwerk versehen, die vor der Einmündung in diesen Kanal angebracht war; hingegen befand sich der Schieber des Ofens Nr. 4 im Längskanal vor dem Ofen 3. Dieser Kanal wurde durch ein in der Mitte gelegenes Mauerwerk in zwei Sektoren getrennt: Der linke führte die Rauchgase der Öfen 1 und 2 ab, der rechte diejenigen der Öfen 3 und 4. Beide Kanäle bogen rechtwinklig ab und führten in zwei Leitungen, die jeweils in eine der beiden Rauchrohre des Kamins mündeten.

3. Die Krematorien des KL Majdanek

a) Der Bau der Krematorien

Obgleich ein solches auf keinem bekannten Plan der Zentralbauleitung erscheint, war bereits ab Oktober 1941 für das KL Majdanek (damals »Kriegsgefangenenlager« genannt) die Installation eines Krematoriums vorgesehen. Das ursprüngliche Projekt, das - mit einer einzigen Modifizierung - allerdings erst zwei Jahre später verwirklicht wurde, sah fünf koksbeheizte Kori-Öfen vor, die einen einzigen gemauerten Block bilden sollten. Dies geht aus der Zeichnung J.- Nr. 9079 vom 16. Oktober 1941 hervor[265]. Die Kori beschrieb es unter Bezugnahme auf eben diese Zeichnung in einem vom 23. Oktober 1941 stammenden Brief an den SS-Sturmbannführer Lenzer wie folgt:

»Unsere Zeichnung Blatt 2 (J.-Nr. 9079) zeigt die Lösung der Platzfrage für insgesamt 5 Stück Krematoriumsöfen, von denen der Ofen Nr.5 in der Mitte als Reserveofen gedacht ist. Für den fortlaufenden Betrieb sind also nur die Öfen 1 bis 4 gedacht, und zwar werden dieselben in 2 Gruppen ausgeführt mit einer gemeinschaftlichen, zwischen 2 Öfen gelagerten Heizkammer für die Ausnutzung der Rauchgase. Jede Gruppe, aus 2 Öfen mit einer Heizkammer bestehend, nimmt also einen Platz von 4,80 × 3,00 m Größe ein. Die Einführungstüren ET befinden sich an der vorderen Stirnseite der Öfen und darunter liegt die Bedienungstür für Aschenentnahme. Entgegengesetzt, also in die rückwärtige Stirnseite der Öfen, sind die Feuergeschränke eingebaut, deren Bedienung von dem gemeinschaftlicher Bedienungs- bezw. Schürstand aus erfolgt. Der Fußboden liegt hier 0,40 m tiefer als der Vorraumfußboden, zu welch letzerem die links und rechts von der Öfen angeordneten Steinstufen führen, die gleichzeitig auch den Höhen unterschied ausgleichen. Über den Öfen ist der gemeinschaftliche Rauchkanal für je 2 Krematorien angeordnet mit einem Umführungsrauchkanal, der es gestattet, die Rauchgase entweder direkt zum Schornstein zu leiten, oder aber dieselben durch die Heizkammer für die Rauchgasausnutzung ziehen zu lassen«[266].

Die zuvor erwähnte Zeichnung zeigt nur den Verbrennungsraum, der 11,50 × 14,50 m mißt. Die anderen Lokale, darunter das Kokslager, werden lediglich angedeutet. Auf der darauffolgenden Zeichnung J.- Nr. 9080, die vom 31. März 1942 stammt[267], erscheint dann die definitive Form des Ofens. Die Einrichtung entspricht derjenigen auf dem früheren Plan, außer hinsichtlich des Systems zum Abführen der Rauchgase. Dieses besteht aus zwei Rauchkanälen, welche in einen einzigen, mit zwei Schornsteinröhren versehenen Kamin einmünden. Jede der beiden Röhren ist mit einer Saugzuganlage ausgestattet, welche in einem Raum neben dem Verbrennungsraum untergebracht ist.

Auf Struktur und Funktionsweise dieser Einrichtung werden wir später zu sprechen kommen. Der Zeichnung zufolge maß das Krematorium 30 × 10 m. Davon wurden 10 × 16,30 m vom Verbrennungsraum eingenommen; neben diesem gab es eine Leichenhalle vom 10 × 5,50 m Größe, ein 3,75 × 5,50 m messendes Lokal für (im Krematorium arbeitende) Häftlinge, ein Büro von gleicher Größe, einen Flur, dessen Maße 2,50 × 4,50 m betrugen, sowie schließlich ein Zimmer für den Krematoriumsleiter; letzteres war 4,50 × 5 m groß.

Da die Ausführung dieses Projekts sehr viel Zeit erfordert hätte, jedoch in Anbetracht der wachsenden Zahl von Todesfällen unter den Häftlingen des Lagers ein Krematorium immer dringender notwendig wurde, beschloß die Zentralbauleitung die Einrichtung eines provisorischen Krematoriums mit zwei mobilen, Ölbeheizten Kori-Öfen. Wie wir sehen werden, übernahm sie zu diesem Zweck das in der Zeichnung vom 31. März 1942 figurierende Projekt, das sie natürlich entsprechend modifizierte.

Über Planung und Bau des ersten Krematoriums im KL Majdanek ist nur ein einziges Dokument erhalten. Die wenigen in der polnischen Literatur zu diesem Thema enthaltenen Hinweise[268] beruhen allesamt auf den am 14. August 1947 abgegebenen Erklärungen des SS-Oberscharführers Erich Mußfeldt[269].

Mußfeldt gab an, die beiden Öfen seien aus dem KL Sachsenhausen nach Majdanek geschafft worden. Das Krematorium sei im Juni 1942 eingeweiht worden[270] und bis Ende Oktober desselben Jahres in Betrieb gewesen. Ab November seien dort keine Kremierungen mehr durchgeführt worden, weil es an Brennstoff - d.h. Öl - gefehlt habe, und Anfang 1943 seien die zwei Öfen abmontiert und von der Zentralbauleitung übernommen worden[271]. Im Zeitraum zwischen der Stillegung des alten und der Eröffnung des neuen Krematoriums habe man die Leichen der im Lager Umgekommenen im Wald vergraben. Er, Mußfeldt, habe das mit dieser Arbeit beauftragte Kommando geleitet[272].

Mußfeldt sagte zwar aus, beide Ölöfen seien ins Arbeitslager Płaszów bei Krakau gebracht worden, doch in Wirklichkeit verblieb einer im Lager; er befindet sich heutzutage im Gebäude des neuen Krematoriums. Anschließend wurde auch die Baracke abmontiert, in der sich das erste Krematorium befand. Von ihr war nach der Befreiung des Lagers nur noch der Zementboden zu sehen. Das erste Krematorium stand auf dem Zwischenfeld I, vor der südöstlichen Seite der Wäscherei[273]. Auf dem offiziellen Plan der Gedenkstätte Majdanek wird es irrtümlicherweise an der südöstlichen Ecke der Trocknungsanlage lokalisiert, einer kleinen Baracke von ca. 15 × 8 m Größe, die auf besagtem Plan aber als normale Häftlingsbaracke dargestellt wird[274].

Ende November 1942 beschloß die Zentralbauleitung des KL Majdanek, das Krematorium - oder vielmehr dessen Ofenraum - neu zu strukturieren, wobei mehrere Alternativen erwogen wurden. Die Zeichnung vom 1. Dezember 1942 zeigt vier mobile, Ölbeheizte Öfen, die sich paarweise an den Seiten eines gemauerten zentralen Kamins befanden und mit diesem durch oberhalb der Öfen angebrachte Rauchkanäle verbunden waren[275]. Bedenkt man, wie knapp Öl zu jener Zeit war, erscheint einem dieses Projekt äußerst wirklichkeitsfremd. Auf Anfrage der Zentralbauleitung schlug die Firma Kori vor, die beiden alten, Ölbeheizten Öfen zu behalten und weitere zwei Öfen dieses Typs zu installieren, diesmal allerdings koksbeheizte, wozu der Anbau eines Kohlengenerators im hinteren Teil erforderlich sei. Das Konstruktionssystem wird in der Zeichnung J. - Nr. 9239[276] dargestellt.

Die am 10. Dezember 1942 von Kori angefertigte Zeichnung[277] präsentiert zwei mögliche Anordnungen der Installationen im Ofenraum. In Skizze 1 sind sie der Länge, in Skizze 2 der Breite nach aufgereiht. In beiden Fällen sind zwei aneinandergrenzende Ofenpaare vorgesehen, jedes mit einem zwischen den beiden Öfen liegenden gemauerten Kamin. Dieser ist von rechteckiger Form; seine Außenmaße betragen 1,20 × 1,40 m, seine Innenmaße 0,40 × 0,50 m. Eines der beiden Ofenpaare ist für Kohlenfeuerung, das andere für Ölfeuerung vorgesehen. Sicherlich waren die zwei bereits existierenden Öfen auf diese Weise miteinander verbunden.

Der Verbrennungsraum ist 12 × 10 m groß. Die Anordnung der Öfen auf Skizze 1 paßt sehr gut zu dem vom 23. November 1942 stammenden Plan der Bauleitung[278], auf dem ein Verbrennungsraum von 12,15 m × 9,74 m Größe mit zwei Kaminen zu sehen ist, welche außen 1,20 × 1,20 m und innen 0,45 × 0,45 m messen und längs der Längsachse des Verbrennungsraums angeordnet sind. Wie wir oben vermerkt haben, ist dieser Plan nichts anderes als die Adaptation desjenigen vom 31. März 1942, von dem sowohl die Gesamtgröße (30 × 10 m) als auch die Unterteilung in Lokale übernommen worden sind.

Dabei wurde die Größe des Verbrennungsraums auf 9,74 × 12,15 m vermindert, weil die beiden Ölöfen weniger massiv waren als die fünf ursprünglich vorgesehenen Koksöfen. Hingegen vergrößerte man die Leichenhalle auf 9,46 × 9,60 m. Die Größe der restlichen Lokale (Häftlingsraum, Büro, Flur und Zimmer des Krematoriumsleiters) blieb unverändert.

Schon nach kurzer Zeit ließ die Zentralbauleitung jedoch den Plan einer Restrukturierung des Ofenraums des Krematoriums fallen und kehrte zu ihrem ursprünglichen Projekt zurück, welches den Bau von fünf koksbeheizten Öfen vorsah. Am 8. Januar 1943 sandte die Kori dem Hauptamt C III des WVHA einen Brief, dem sie das Angebot vom 9. April 1942 beilegte; dieses bezog sich auf fünf Koksöfen und beruhte auf der Zeichnung vom 16. Oktober 1941. Das System zur Abfuhr der Rauchgase war gegenüber dem früheren Konzept modifiziert und wurde in einer Zeichnung (J.- Nr. 9112) dargelegt, die zwar verloren gegangen ist, jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach der Zeichnung J.- Nr. 9080 vom 31. März 1942 entsprach.

Die Firma Kori erklärte in ihrem Schreiben vom 8. Januar 1943, sie habe zwei Saugzuganlagen vorgesehen. Die Rauchgase würden sich nämlich bei ihrem Durchgang durch die Heizschlangen - dieser Mechanismus diente zur Erwärmung des Wassers - abkühlen, was während der Sommermonate den Zug hemmen könne. (Die Zugkraft hängt vor allem von der Differenz zwischen der Temperatur der Rauchgase und der Außentemperatur ab; je höher letztere ist, desto geringer ist entsprechend die Differenz und desto schwächer der Zug.)

Außerdem, so die Kori, seien die Armaturteile der Öfen beinahe bereit, so daß sie die Bestellung seitens des Hauptamts C III erwarte, um auch das - von einer oberschlesischen Firma gelieferte - feuerfeste Material bestellen zu können[279]. Am 21. Januar 1943 sandte der Leiter der Zentralbauleitung dem SS-Hauptsturmführer Krone vom Amt C III des WVHA folgendes Fernschreiben:

»Die Zentralbauleitung Lublin bittet um Zusendung von Zeichnungen für die Warmwasserbereitungsanlage für die 5 stationären Verbrennungsöfen, die von Kori nach hier abgesandt werden sollen, damit Vorarbeiten durchgeführt werden können«[280].

Allerdings wurde das neue Krematorium erst etliche Monate danach erbaut. Die erste bekannte Zeichnung der Installation entstand am 24. Juni 1943[281]; eine fünf Tage später, am 29. desselben Monats, angefertigte Zeichnung mit dem Titel »Skizze zum Krematorium K.L. Lublin«[282] stellt ein Gebäude von T-förmiger Gestalt dar, von dem es eine »Aussicht« zeigt, eine Perspektive »aus der Vogelschau«. Die »Dachausmittlung« trägt folgende Aufschrift:

»Bemerkungen: Leichenhalle auf gleiche Höhe wie Kesselhaus bringen. Kohlenschuppen muß gleiche Breite wie Sezier haben. Daher gleiche Firsthöhe u. saubere Dachform!«

Im August des Jahres 1944 zeichnete die Polnisch-Sowjetische Kommission im Anschluß an eine Untersuchung des Gebäudes einen Plan des Krematoriums[283], aus dem folgendes hervorgeht:

Der Längsteil des Krematoriums, in dem sich die Öfen befanden, wurde hinsichtlich seiner Außenmaße und der Anordnung der Lokale anhand des Plans errichtet, welcher auf der Zeichnung J.- Nr. 9080 vom 31. März 1942 figuriert. Dieser Teil maß in der Tat 10 × 30 m[284], während die Größe der Innenlokale geringfügigen Modifizierungen unterworfen worden war: Die Leichenhalle war 9,40 × 5,70 m groß, der Verbrennungsraum 9,40 × 16, 80 m, der Raum für die Häftlinge 5,46 × 3,40 m, das Büro 5,46 × 3,40 m, der Flur 4,30 × 3,30 m, das Zimmer des Krematoriumsleiters 4,30 × 3,40 m.

An diesen Teil wurden in Querform zwei symmetrische, an die Leichenhalle angrenzende Anbauten von je 10 × 10 m Größe angeschlossen, so daß sie zusammen mit der Leichenhalle die Gestalt eines T bildeten, dessen oberer, querliegender Teil ebenfalls 30 m maß. Der auf der Seite der Öfen liegende Anbau enthielt ein einzelnes Lokal, den Kohlenschuppen; der gegenüberliegende, auf der Seite des Kamins liegende war in fünf Lokale unterteilt, von denen man nur bei dreien mit Sicherheit weiß, wozu sie gedient haben: beim Sezierraum (3,35 × 5,70 m), beim Bad (3 × 2,20 m) sowie beim Abort (3 × 1,35 m).

Die beiden übrigen Räumlichkeiten wurden von der Polnisch-Sowjetischen Kommission »Vorsezierraum« und »Gaskammer« getauft. Letzterer Raum maß 6,10 × 5,62 m und soll angeblich als Zyklon B-Gaskammer zur Ermordung von Menschen gedient haben. Allein schon vom technischen Standpunkt aus wäre die Nutzung dieses Lokals als solche freilich heller Wahnwitz gewesen, wie wir später darlegen werden[285]. In Wirklichkeit handelte es sich wahrscheinlich um einen Aufbahrungsraum oder einen Urnenraum[286]. Das von der Polnisch-Sowjetischen Kommission »Vorsezierraum« genannte Lokal, in das die Eingangstür führte und das man zwangsläufig durchqueren mußte, um vom Sezierraum in den vermutlichen Urnen- oder Aufbahrungsraum zu gelangen, war nichts anderes als ein verhältnismäßig großer Vorraum.

b) Die Struktur des neuen Krematoriums

Die Polnisch-Sowjetische Kommission lieferte folgende Beschreibung des neuen Krematoriums, so wie es sich im Juli und August des Jahres 1944 darbot :

»Die Öfen zur Einäscherung von Leichen befinden sich im südöstlichen Teile des Konzentrationslagers im Abstand von 60 Metern von den Wohnbaracken für die Internierten. Der Hof des Bauwerks liegt hinter einem dreifachen Stacheldrahtverhau, der hauptsächlich zur Einschließung der Häftlinge dient. Die Umzäunung des Hofs besteht aus zwei Reihen Stacheldraht von 3 Metern Höhe[287]. Die Fläche des Hofs beträgt 3.600 m2 (60 × 60 m). Der Plan des gesamten Komplexes dieser Einrichtung wies auf eine T-Form auf und zerfiel in 12 Haupträumlichkeiten; außerdem war um den Schornstein ein Flügel errichtet, der die Ventilatoren umgab.

Zum Zeitpunkt der Besichtigung der Bauwerke wurde festgestellt, daß alle Holzteile des Gebäudes verbrannt waren, und in den früheren Räumlichkeiten zur Leichenaufbahrung /Nr. 4/ sowie dem Ofenraum /Nr. 1/ befanden sich viele angebrannte Leichen. Nach der Feuersbrunst sind nur alle aus Ziegelstein, Beton und Eisenbeton bestehenden Einrichtungen sowie Teile des Gebäudes erhalten, darunter:

a) Die Verbrennungsöfen mit dem oberen Rauchkanal und Fuchs

b) Schornstein mit zwei Saugzuganlagen;

c) Die aus Beton angefertigte Gaskammer mit aus Eisenbeton bestehender Überdeckung und zwei kleinen Guckfenstern auf der Seite der Leichenkammer;

d) Aus Ziegelstein bestehende Wand, welche den Baderaum sowie den Abort vom Vorsezierraum trennt;

e) Aus Ziegelstein bestehende Wand, welche den Sezierraum vom Vorsezierraum trennt;

f) Teilweise aus Ziegelstein bestehende Wände vor dem Eingang zum Bad und

g) Fundamente, aus Ziegelstein angefertigte Sockel und Betonböden für sämtliche 12 genannten Räume und der auf einem Steinsockel montierte Tisch im Sezierraum.

Die von der Feuersbrunst nicht in Mitleidenschaft gezogenen Bauwerke in Verbindung mit den verbrannten Räumlichkeiten, sowie die erwähnten, ganz erhalten gebliebenen getrennten Räume, ermöglichten es, nach Vermessung an Ort und Stelle Pläne und Abrisse sämtlicher Bauwerke zu zeichnen, eine Beurteilung des Zwecks eines jeden Objekts vorzunehmen und ein Schema des technologischen Arbeitsprozesses der Verbrennungsöfen darzustellen.

Verzeichnis der Räumlichkeiten:

Nr. Der Räume

nach Schemen

Bezeichnung der Räume

Maße des Raums

Fläche in m2

1

Verbrennungsraum

16,80 × 9,40

157,92

2

Sezierraum

5,70 × 3,45

19,67

3

Gaskammer

6,10 × 5,62

34,28

4

Leichenkammer

9,40 × 5,70

53,58

5

Brennstoffraum

9,70 × 9,40

91,18

6

Vorsezierraum

6,55 × 3,55

23,25

7

Bad

3,00 × 2,20

6,60

8

Abort

3,00 × 1,35

4,05

9

Lüftungsraum

6,20 × 5,25

32,55

10

Zimmer

5,56 × 3,40

18,56

11

"

5,46 × 3,30

18,02

12

"

4,30 × 3,40

14,62

13

Korridor

4,30 × 3,30

14,19

Der Block von Verbrennungsöfen ist im Verbrennungsraum /Nr.1/ errichtet und besteht aus 5 Kammern zur Einäscherung von Leichen und 2 Nutzkammern zur Ausnutzung der Hitze der Abgase. /Die Montage der Einrichtung der Nutzkammern wurde nicht abgeschlossen/.

Die Maße des Verbrennungsofenblocks im Mauerwerk:

Länge

11,60 m

Breite

3,00 m

Höhe

1,90 m

Höhe der Öfen

bis zum oberen

Rauchkanal

2,64 m

Innere Maße der Verbrennungsöfen:

Feuerung zur Anwärmung /a

0,384 m3

Einäscherungskammer /b

0,834 m3

Aschenraum/c

0,655 m3

Schnitt des Rauchkanals/d

0,216 m2

Aschenkasten/d

0,0625 m3

Aschenkasten/d1

0,0833 m3

Rostfläche der Brennkammern

0,65 m2

Die Materialien des Mauerwerks der Verbrennungsöfen: Feuerung zur Anwärmung a/ Einäscherungskammer b/ Aschenraum c/ und Rauchkanal d/ bestehen aus DIN-Ziegelstein.

Die DIN-Roststäbe in der Brennkammer sind geschmolzen und die Struktur des feuerfesten Schamotts verändert.

Ein Teil des Zubehörs im oberen horizontalen Kanal ist deformiert und im unteren Teil geschmolzen.

Die Grundfläche des unter dem Rost liegenden Raums /b und das Mauerwerk aller Türrahmen der Verbrennungsöfen ist aus Schamottziegelwerk hergestellt. Das äußere Mauerwerk der Öfen ist aus rotem Ziegelwerk angefertigt.

Die ganze Konstruktion des Verbrennungsblocks wird oben und unten durch 4 waagrechte und 20 senkrechte Verankerungsbolzen zusammengehalten und wird durch Stangen aus Profileisen verstärkt (Nr. 10).

Die Feuerung und die Aschenräume der Ofen werden durch gußeiserne Doppeltüren geschlossen. In den Öfen gibt es eine große Zahl von angebrannten Knochen. Vor jedem Ofen befinden sich eiserne Rollgänge in der Form vertikaler Rahmen mit zwei Rollen. Bei den Öfen sind fünf metallene Tragbaren vorhanden, von denen vier infolge der Feuersbrunst durch die Hitze deformiert sind. Neben der Öfen befinden sich metallene Stangen«[288]

4. Struktur und Funktion der Krematoriumsöfen

a) Die koksbeheizten Öfen

Der koksbeheizten Fünfmuffelofen des KL Lublin-Majdanek[289] besteht aus zwei Paar seitlich gelegenen sowie einer zentral gelegenen Muffel[290]. Zwischen den beiden seitlichen Muffelpaaren sind zwei Heizkammern installiert. Das Bausystem der einzelnen Öfen läßt im Vergleich mit den Öfen von Dachau und Sachsenhausen zusätzliche Modifizierungen erkennen. Im Vorderteil des Ofens befindet sich die typische Einführungstür mit zwei Flügel; sie mißt 0,55 × 0,65 cm und weist die charakteristischen runden Öffnungen zur Beobachtung des Kremierungsprozesses sowie zur Zufuhr von Verbrennungsluft auf. Der Verbrennungsraum ist 0,77 m breit und 0.67 m hoch. Er wird unten durch einen feuerfesten Schamottrost aus 9 Paar Querstäben des Standardtyps begrenzt. Die Nutzfläche der Muffel beträgt 2,17 m.

Unterhalb des Schamottrostes liegt der Ascheraum, in dessen vorderem Teil ein Ausglührost installiert ist. Vorne läßt sich der Aschenraum durch zwei Türen schließen. Die obere, welche unmittelbar unter der Einführungstür liegt, ermöglicht es, mittels einer Kratze die durch die Spalten des Schamottrostes gefallenen Leichenteile auf den Nachverbrennungsrost zu ziehen, wo sie gänzlich verbrannt werden. Die zweite, unter dem ersten gelegene Tür dient zum Entnehmen der Leichenasche. An den Seiten der oberen Tür befinden sich zwei Luftrosetten, welche die Mündungen der beiden Luftkanäle schließen, durch welche Verbrennungsluft in die Muffel gelangt.

Diese Luftkanäle verlaufen horizontal im Mauerwerk des Ofens, von wo sie rechtwinklig nach oben abbiegen und auf der Höhe der Muffel, abermals eine rechtwinklige Biegung vornehmen, diesmal parallel zur Muffel, mit der sie durch vier 8 × 8 cm messende Öffnungen - zwei auf jeder Seite - verbunden sind.

Der Generator befindet sich im hinteren Ofenteil; die Hauptfeuerung besteht aus einem Planrost von 0,68 × 0, 63 = 0,43 m2 Größe. Bei natürlichem Zug konnten auf dem Rost stündlich etwa 50 kg Koks verbrannt werden. Im hinteren Teil des Ofens liegen eine Tür mit zwei Flügeln, der sogenannte Generatorfüllschachtverschluß, sowie die Feuertür.

Das Schamottmauerwerk weist eine Dicke von 12 cm auf. Die Abfuhr der Rauchgase wird auf ganz ähnliche Weise bewerkstelligt wie in den Öfen des KL Sachsenhausen, mit dem Unterschied, daß die Muffel durch ein vertikales Rohr direkt mit dem horizontalen Rauchkanal im oberen Teil des Mauerwerks in Verbindung steht. An den beiden Seiten des Rauchkanals befinden sich zwei Reinigungstüren.

In diesem Rauchkanal sind 6 Rauchkanalschieber angebracht, die 0,60 × 0,45 m messen. Zwischen den Öfen 1 und 2 bzw. 3 und 4 sind zwei Heizkammern installiert, die aus zwei Kammern bestehen; in jeder von diesen ist eine Heizschlange von 15 m2 Heizfläche zum Erhitzen von Wasser angebracht. Diese Heizschlangen sind mit zwei horizontalen, außerhalb des Ofens installierten Röhren verbunden, und zwar durch 8 vertikale Röhren von geringerem Durchmesser. Unter der zweiten der horizontalen Röhren ist eine Beobachtungstür eingelassen. Diese beiden Röhren standen mit zwei Boilern in Verbindung, die sich oberhalb der beiden Heizkammern befanden. Waren fünf Öfen in Betrieb, so verfügte man über eine Heizfläche von 30 m2 mit einer stündlichen Produktion von 300.000 Kcal. Auf diese Art konnte man den Heißwasserbedarf für 50 Duschen decken; wenn diese 20 Stunden täglich benutzt wurden, konnten unter Ansetzung einer effektiven Brausezeit von 5 Minuten und einer stündlichen Zahl von fünf Schichten Duschender pro Person an einem Tag 5.000 bis 6.000 Personen duschen[291].

Die entweichenden Rauchgase der Öfen 1 und 2 (plus eventuell 5) sowie 3 und 4 durchquerten die Heizkammer von oben nach unten, wobei sie die Heizschlange erhitzten und auf diesem Wege Heißwasser produzierten. Anschließend drangen sie in zwei unterirdische Rauchkanäle von 0,70 × 0, 75 m Durchmesser ein, die zu zwei Saugzuganlagen führten. Letztere bestanden aus einer Röhre mit einem Rohrknie samt horizontaler Klappe zur Abschließung der Vorrichtung, sowie einem Gebläse mit Motor. Die beiden Gebläse waren jeweils mit einem der beiden Züge verbunden, in die der Schornstein unterteilt ist.

Die Vorrichtung zur Einführung der Leiche besteht aus der Bahre, den Rollen sowie den Rollenböcken, während die Schamottabsperrklappe fehlt.

Die Muffeln weisen im vorderen Teil, unter der Einführungstüre, zwei übereinanderliegende Türen auf, weil die Nachverbrennungskammern mit einem Nachverbrennungsrost ausgestattet sind. Die obere Tür ermöglicht es, die durch den Muffelrost gefallenen, in der Nachverbrennungskammer befindlichen Leichenteile auf den Nachverbrennungsrost zu ziehen; durch die untere Tür entnimmt man die Asche.

Die Generatoren befinden sich im hinteren Ofenteil, wo auch die Generatorfüllschächte und direkt unter diesen die Feuerungstüren installiert sind; letztere führen zu den Feuerungsrosten.

Das System zur Abführung der Verbrennungsgase besteht aus einer Öffnung auf dem Muffelgewölbe im Vorderteil des Ofens. Diese Anordnung gemahnt an die Ausführung der Öfen von Dachau, mit dem Unterschied freilich, daß der Rauchkanal im Inneren des Mauerwerks oberhalb des Ofens installiert ist und entlang des gesamten Ofens verläuft. An den Enden dieser Vorrichtung befinden sich zwei Türen, die Beobachtungstür sowie die Tür zur Reinigung des Rauchkanals.

Letzterer ist durch besondere Öffnungen mit den beiden Heizkammern zwischen den Öfen 1 und 2 bzw. 3 und 4 verbunden, welche ihrerseits durch Öffnungen im unteren Teil mit den beiden im Fußboden des Ofenraums installierten Rauchkanälen verbunden sind.

Die zwei Rauchkanäle führen in die rechte bzw. linke Schornsteinrohr. Der Schornstein wies eine Höhe von rund 20 m auf und war mit zwei Saugzügen versehen, deren Anordnung man auf der Zeichnung J.- Nr. 9098 erkennen kann.

Das neue Krematorium wurde erst im Januar 1944 in Betrieb genommen. Doch wiesen die fünf Öfen technische Mängel auf, die von Karl Müller, dem Montagemeister der Firma Kori, fein säuberlich aufgelistet wurden. Am 4. Februar 1944 sandte Hans Kori einen langen Brief an die Kommandantur des KL Majdanek, in dem er die Gründe dieser Mängel erläuterte und Anweisungen zu ihrer Behebung erteilte[292].

b) Die Ölbeheizten Öfen

Struktur und Funktionsweise des mobilen, Ölbeheizten Kori-Krematoriumsofen werden in einer Zeichnung gut erklärt, welche das Institut für Wärme- und Brennstofftechnologie der Bergbauakademie von Krakau über den Ofen von Trzebionka, einem Nebenlager von Auschwitz, verfaßt hat, wobei es sich zweifelsohne auf Originaldokumente der Firma Kori stützte[293]. Öfen dieses Typs wurden u.a. in Sachsenhausen, Stutthof, Groß-Rosen und Ravensbrück installiert. Die beiden Öfen im ersten Krematorium von Majdanek gehörten dem gleichen Typ an.

Der Ofen[294], der die Gestalt einer Muffel aufweist, ist außen mit Eisenblech ausgekleidet. Im Vorderteil finden wir die typische Zweiflügeltür zum Einschieben der Leichen. Darunter befindet sich die Tür des Aschenraums, und an dessen beiden Seiten sind zwei Luftrosetten angebracht, welche der Muffel die Verbrennungsluft zuführen. Das diesbezügliche System entspricht demjenigen beim Koksofen.

Im hinteren Teil der Muffel ist die Düse des Hauptölbrenners angebracht. Der Muffelrost besteht aus 20 Stäben aus Schmamottwerk, die auf zwei Stangen ruhen und in der Mitte miteinander verbunden sind. Der Rost endet 25 cm vor der Hinterwand.

Unterhalb des Rostes liegt der Ascheraum, unter dessen Hinterwand die Düse der Hilfsölbrenners angebracht ist. Oben im Ofen, auf der linken Seite, befindet sich das Gebläse mit Elektromotor, welches den beiden im Hinterteil des Ofens gelegenen Brennkammern durch Röhren die nötige Verbrennungsluft zuführt. Neben dem Gebläse, auf der rechten Ofenseite, liegt der Ölbehälter, aus welchem der Brennstoff durch ein Rohr von geringerem Durchmesser in die beiden Brennkammern gelangte. Auf der rechten Ofenseite finden wir unten eine Beobachtungstür. Darüber ist eine Luftrosette für den Ascheraum angebracht.

Das System zur Abführung der Rauchgase besteht aus einer auf dem Muffelgewölbe angebrachten Öffnung im Vorderteil des Ofens sowie einem kurzen Rauchkanal, welcher aus dem Ofen in eine kleine Röhre führt. Letzterer ist viereckig und besteht aus Gußeisen; darauf ist ein regelrechter Kamin in Gestalt einer gußeisernen Röhre installiert. Zur Einführung der Leiche gebrauchte man genau wie bei den Koksöfen einen Rollenbock.

5. Die Kapazität der Krematoriumsöfen

a) Die Kapazität der koksbeheizten Öfen

Im August 1944 unterzog eine polnisch-sowjetische Technikerkommission, welcher die Ingenieure Kelles-Krause, Teljaner und Grigorew angehörten, die Krematoriumsöfen von Majdanek einer Untersuchung. Im Anschluß daran verfaßte sie eine technische Expertise, deren Schlußfolgerungen wir hier wiedergeben:

»a) Die Temperatur der Verbrennungskammern betrug 1.500 Grad Celsius;

b) Zum Einschieben der Leichen in die Öfen sowie zur Reinigung der Aschenräume brauchte es nicht mehr als drei Minuten;

c) In einem Ofen konnte man gleichzeitig vier ›behandelte‹ Leichen - d.h. solche, denen man Arme und Beine abgehauen hatte - zusammen mit den abgehackten Extremitäten[295] verbrennen;

d) Die Zeit zur Einäscherung einer solchen Ladung überstieg 12 Minuten nicht;

Wenn die Öfen 24 Stunden in Betrieb waren, betrug ihre Kapazität binnen dieses Zeitraums demnach:

([24 × 60 × 4 × 5] : 15 =) 1.920 Leichen«[296].

Laut diesem Gutachten hing die Kapazität der Öfen von folgenden Faktoren ab:

Da diese Faktoren miteinander verknüpft sind, müssen wir sie alle zusammen untersuchen.

Die Experten behaupten, die koksbeheizten Krematoriumsöfen von Majdanek hätten eine Normaltemperatur von 1.500 Grad aufgewiesen, doch ist dies technisch falsch. Ein anerkannter Fachmann auf diesem Feld, Ingenieur Richard Kessler, der im Dessauer Krematorium eine Reihe von Kremierungsversuchen durchgeführt hat, unterstreicht :

»Einführungstemperaturen von 1.200 bis 1.500 Grad Celsius, wie sie vielfach in Berichten über Krematoriumsbetriebe erscheinen (in der Zeitschrift ›Die Flamme‹ wurden sogar 2.000 Grad genannt), sind wohl falsch geschätzte, aber nicht gemessene Temperaturen. Bei diesen Temperaturen würden sowohl die Knochen als auch das Schamottematerial erweichen und sich miteinander verbinden. Die bei den Dessauer Versuchen festgestellten zweckmäßigsten Einführungstemperaturen liegen zwischen 850 und 900 Grad Celsius«[297].

Im Gegensatz zu den Behauptungen der von der Polnisch-Sowjetischen Kommission beauftragten Experten ist das Schamottmauerwerk der Muffeln noch heute in gutem Zustand und weist keinerlei Spuren einer Fusion auf. Dies zeigt ein Vergleich mit dem Mauerwerk der beiden Generator in den Topf-Zweimuffelöfen von Gusen. Außerdem bestanden die Rauchkanalschieber nicht aus Gußeisen, sondern aus Schamottwerk.

Die Experten haben die Dauer der Kremation anhand eines »Orientierungsdiagramms zur Festlegung der Verbrennungszeit der Leichen in verschiedenen Krematoriumsöfen in Abhängigkeit von der Temperatur« ermittelt, welches sie ihrem Gutachten beilegten.

Dieses Diagramm beginnt bei einer Muffeltemperatur von 800 Grad Celsius und reicht bis zu einer von 1.500 Grad. Das Verhältnis zwischen Temperatur und Verbrennungsdauer wird wie folgt dargestellt:

800 °C 120 min (Klingenstierna-Ofen).

900 °C 105 min "

1.000 °C 90 min (Siemens-Ofen)

1.100 °C 75 min "

1.200 °C 60 min (Schneider-Ofen)

1.300 °C 45 min "

1.400 °C 30 min "

1.500 °C 15 min "

Auf welche Quellen sich die Herren Experten hier gestützt haben, entzieht sich unserer Kenntnis, doch jedenfalls steht fest, daß die für Temperaturen über 1.000 Grad gemachten Angaben zur Verbrennungsdauer ganz und gar unglaubwürdig sind.

Das oben angeführte Diagramm schreibt dem Klingenstierna-Ofen eine Kremierungsdauer von 120 Minuten bei 800 Grad Temperatur, dem Siemens-Ofen eine Dauer von 90 Minuten bei 1.000 Grad und dem Schneider-Ofen eine Dauer von 50 Minuten bei 1.200 Grad zu.

Diese drei Ofentypen waren nach dem Prinzip des »indirekten Vorgehens« konstruiert, bei dem die Leiche lediglich heißer Luft ausgesetzt werden durfte. Dabei durchquerte atmosphärische Luft die auf 1.000 Grad erhitzten Rekuperatoren oder Regeneratoren und trat dann, auf die selbe Temperatur erhitzt, in die Muffel ein, wo sie die Verbrennung der Leiche bewirkte. Laut dem Architekten E. Beutinger dauerte die Kremation beim Siemens-Ofen von Gotha bei einer Temperatur von 900 Grad Celsius 90 Minuten, bei den Klingenstierna-Öfem bei einer Temperatur von 1.000 Grad 60 bis 90 Minuten und bei den Schneider-Öfen bei einer Temperatur von 1.000 Grad 45 bis 90 Minuten[298].

Nach einem vom Bauamt der Stadt Stuttgart erstatteten Bericht über 48 im Zeitraum vom 20. Juli bis zum 15. September 1909 in einem Heißluftkrematoriumsofen des Typs Wilhelm Ruppmann durchgeführte Kremationen belief sich die erreichte Höchsttemperatur in der Verbrennungskammer auf 1.120 Grad Celsius[299].

Bei den von Richard Kessler zwischen dem 1. November 1926 und dem 12. Januar 1927 im Krematorium von Dessau anhand eines Ofens der Firma Gebrüder Beck (bei diesem handelte es sich um eine Verbesserung des Klingenstierna-Modells) durchgeführten Kremierungsversuchen wurde in der Verbrennungskammer eine Maximaltemperatur von 1.100 Grad Celsius erreicht, doch während einer kurzen Zeitspanne, nämlich während der Verbrennung des Sargs[300].

Es läßt sich also mit Sicherheit sagen, daß in den zivilen Krematorien, auf die sich die sowjetischen Experten bezogen, in der Verbrennungskammer Temperaturen von über 1.100 Grad kaum je erreicht worden sind. Solche von 1.500 Grad konnten lediglich oberhalb des Rosts des Generators auftreten[301].

Dies bedeutet, daß die im sowjetischen Diagramm figurierenden Angaben hinsichtlich Temperaturen über 1.000 Grad nichts anderes als unannehmbare Extrapolationen waren.

Eine weitere unhaltbare Extrapolation ließen sich die Experten im Zusammenhang mit dem ›Beladen‹ der Öfen - d.h. dem Einschieben der Leichen - zuschulden kommen. Da bei den zivilen Öfen die gleichzeitige Verbrennung von zwei oder mehr Leichen in einer Muffel verboten war - schließlich wollte man den Hinterbliebenen die Asche ihres Angehörigen überreichen -, gibt es hierzu in der Fachliteratur keinerlei Angaben. Die sowjetischen Experten stützten sich bei ihrem Diagramm dementsprechend zwangsläufig auf bei der Verbrennung einzelner Leichen gewonnene Daten und übertragen diese unlautererweise auf die hypothetische Verbrennung mehrer Leichen zugleich in einer Muffel. Daß die dabei erzielten Ergebnisse grundfalsch sind, läßt sich anhand der von der Firma Kori erbauten Öfen zur Einäscherung von Tierkadavern klipp und klar nachweisen. Der Vergleich mag ja pietätlos anmuten, aber wir kommen nicht umhin, ihn anzustellen, weil er zuverlässige Hinweise auf die Zeit liefert, die zur Kremierung mehrerer Leichen in einer Muffel erforderlich wäre.

Zunächst muß man darauf hinweisen, daß die Verbrennungsöfen zur Beseitigung von Tierkadavern effizientere Anlagen zur Einäscherung organischer Substanz waren als Krematorien, weil der einzige bei ihrem Bau zu berücksichtigende Aspekt ihre Ökonomische Effizienz war. Die Firma Kori stellte acht solcher Verbrennungsöfen von verschiedener Größe her. Das Modell 2b, bei welchem die Verbrennungskammer 1,38 m2 maß (was annähernd der Fläche bei den Kori-Krematorien entsprach; diese betrug 1,5 m2), konnte in einem Zeitraum von acht Stunden maximal 450 kg Fleisch in Asche verwandeln, wozu 170 kg Kohle nötig waren[302]. Dies entspricht der Einäscherung eines Kilogramms Fleisch in 64 Sekunden bei einem Verbrauch von 0,037 kg Kohle. Demnach hätte die Verbrennung mehrerer Leichen mit dem höchstmöglichen Gesamtgewicht - 450 kg - pro Leiche von 70 kg Gewicht ca. 84 Minuten und 24,6 kg Kohle erheischt.

Bei der größten von Kori produzierten Anlagen zur Vernichtung von Tierkadavern konnten in einer Zeit von dreizehneinhalb Stunden 900 kg Fleisch verbrannt werden. Dazu brauchte es 300 kg Kohle. Dies entspricht einer Zeit von 54 Sekunden und einem Kohleverbrauch von 0,333 kg pro Kilogramm Fleisch[302]. In diesem Ofen hätte man zur gleichzeitigen Verbrennung von 13 Leichen von je (900 : 13 =) 69,2 kg Gewicht eine Durchschnittszeit von 62 Minuten und eine durchschnittliche Brennstoffmenge von 23 kg benötigt.

Anhand dieser Daten kommen wir zu gesicherten Schlußfolgerungen, die wie folgt aussehen:

a) Die durchschnittliche Mindestzeit für die Kremierung einer Leiche von ca. 70 kg Gewicht betrug etwa 62 Minuten;

b) Durch eine zusätzlichen Beladung des Ofens (beim Modell 2b mit 450 kg, beim Modell 4b mit 900 kg) konnte man nur etwa 12% Brennstoff und ca. 16% Zeit sparen.

Somit ist experimentell erhärtet, daß die Kapazität der Krematorien von Majdanek bei gleichzeitiger Verbrennung mehrer Leichen in einer Muffel nur unbedeutend gestiegen wäre.

Bestätigt werden diese Daten durch die Aussagen Erich Mußfeldts, der diesbezüglich erklärte:

»In jede Muffel wurde nur eine Leiche eingeführt; die Verbrennung nahm etwa eine Stunde in Anspruch«[303].

Genau so lange dauerte auch die Einäscherung einer Leiche bei den Topf-Öfen der Krematorien von Auschwitz-Birkenau[304].

Fassen wir zusammen: Da kein Krematoriumsofen in der Brennkammer Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius erzielte, und da die Einführung mehrerer Leichen in eine Muffel die Verbrennungsdauer annähernd um den betreffenden Faktor erhöht hätte, geht dem sowjetischen Diagramm jeglicher wissenschaftliche Wert ab.

Hervorzuheben bleibt freilich, daß nicht einmal die von der Polnisch-Sowjetischen Kommission einberufenen Experten es gewagt haben, bei den effektiven Kremierungstemperaturen eine Verbrennungszeit von unter 60 Minuten pro Leiche anzusetzen. Laut ihnen betrug diese bei 1.100 Grad Celsius nämlich 75 Grad. Ihrer eigenen Graphik zufolge dauerte bei der tatsächlichen Temperatur (800 Grad Celsius) eine Kremation nicht weniger als zwei Stunden!

Der Grund für die groteske Übertreibung der Kapazität der Krematorien durch die polnisch-sowjetischen Experten liegt auf der Hand: Wenn im neuen Krematorium wirklich 600.000 Leichen verbrannt worden waren - was die Polnisch-Sowjetische Kommission ja behauptete -, so mußten die Öfen zwangsläufig eine fabelhafte Leistungsfähigkeit besessen haben! Freilich hätte nicht einmal die den Öfen von der Kommission angedichete, um das Neunzehnfache über der tatsächlichen liegende Kapazität von 1.920 Leichen täglich ausgereicht, um 600.000 Leichname einzuäschern: da das Krematorium erst im Januar 1944 eingeweiht wurde (wir wissen nicht, an welchem Tag) und demnach nur sechs bis knappe sieben Monate lang in Betrieb war, konnte es selbst bei Zugrundelegung der erwähnten Phantasiekapazität kaum mehr als 300.000 Leichen bewältigen.

Noch heute ist im neuen Krematorium von Majdanek übrigens eine Tafel angebracht, in der die Kapazität der fünf Öfen mit 1.000 pro Tag angegeben wird. Der tatsächliche Wert liegt etwa zehnmal tiefer!

b) Die Kapazität der Ölbeheizten Öfen

Zur Kapazität der beiden Ölöfen schrieb der SS-Hauptsturmführer Krone, ein Angestellter des Amts C III des WVHA, in seinem bereits in Kapitel III erwähnten Bericht vom 20. Januar 1943 folgendes:

»Krematorium.

Zur Zeit befinden sich zwei Verbrennungsöfen mit Ölfeuerung in Betrieb. Die Leistung dieser Öfen beträgt zusammen in 12 Stunden rund 100 Leichen«[305].

Dies entspricht einer Kapazität von 4 Leichen stündlich. J.-C. Pressac meint dazu:

»Vergleicht man diese Kapazität mit jener der drei Topf-Zweimuffelofen im Krematorium I von Auschwitz (die leistungsfähiger als die Öfen von Majdanek waren), so ist sie im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen um das Zweifache übertrieben«[306].

Pressacs Vergleich ist nicht stichhaltig, weil Ölbeheizte Öfen grundsätzlich eine deutliche höhere Kapazität hatten als koksbeheizte. Der Grund lag darin, daß man bei ersteren die Flamme der Brennkammer unabhängig vom Zug des Ofens regulieren konnte. - Nebenbei sei erwähnt, daß auch Mußfeldt die Kapazität jedes der beiden Ölöfen mit ca. 100 Leichen pro 24 Stunden beziffert hat[307].

Der Ölbeheizte Kori-Ofen war für die Verbrennung einer einzigen Leiche aufs Mal konzipiert. Aus den recht kleinen Öffnungen des Rostes (7,5 × 24 cm) ersieht man ferner, daß die Verbrennung der Leiche prinzipiell in der Verbrennungskammer zu erfolgen hatte, ehe die kleinen Reststücke durch die erwähnten Öffnungen in den Ascheraum fielen. Dies bedeutet, daß der Verbrennungsprozeß etwa eine Stunde dauerte.

Allerdings sorgten die beiden Ölbrenner für eine stete und erhebliche Hitzezufuhr, und zudem konnte man die Temperatur regulieren und jeder Phase des Kremierungsvorgangs anpassen. Peilte man die Maximaltemperatur an, und stieß man den ausgetrockneten und zerfallenden Leichnam mit der Kratze in den Hinterteil der Muffel, so daß er durch die dort befindliche Öffnung von 25 × 65 cm Größe in die Nachverbrennungskammer fiel, noch ehe die Hauptverbrennung abgeschlossen war, so konnte man die Mindestdauer der letzteren auf 30 bis 40 Minuten herabsetzen. Dies entspricht der Mindestzeit, die in den modernsten heutigen Krematorien für die Hauptverbrennungskammer erforderlich ist[308]. In der Praxis konnte man die gängige Kremierungsdauer halbieren, weil der Prozeß der Hauptverbrennung im Aschenraum seinen Fortgang nahm, so daß diesem praktisch die Funktion einer zweiten Muffel zufiel. Ob man ohne beträchtliche Erhöhung der Verbrennungszeit zwei Leichen zugleich einäschern konnte, hängt von der Leistungsfähigkeit der beiden Ölbrenner ab, die wir nicht kennen. War sie genügend groß, kann man nicht ausschließen, daß in besonderen Fällen - z.B. bei kleinen oder sehr mageren Leichen[309] - tatsächlich eine gleichzeitige Einführung zweier Leichname praktiziert werden konnte.

In diesem Falle wären die beiden Leichen innert einer halben Stunde in der Muffel ausgetrocknet und innert des gleichen Zeitraums im Aschenraum vollständig verbrannt worden.

6. Das gerichtsmedizinische Gutachten der
Polnisch-Sowjetischen Kommission
über die Öfen des neuen Krematoriums

Im August 1944 setzte die Polnisch-Sowjetische Kommission ein Expertengremium ein, dem die Aufgabe zukam, die Öfen des neuen Krematoriums bzw., genauer gesagt, die dort befindlichen menschlichen Überreste gerichtsmedizinisch zu begutachten. Wir zitieren hier den wichtigsten Teil des Gutachtens:

»Ofen Nr. 1

Im Ofen wurde eine geringe Menge von heller Asche und verbrannten Menschenknochen vorgefunden, die ihre Struktur gut bewahrt haben, aber leicht zu Asche zerfallen, wenn man sie mit den Fingern drückt. Im Raum unter dem Rost dieses Ofens befinden sich Asche und eine große Zahl verbrannter Knochen von grauer Farbe, welche den gesamten Raum unter dem Rost bis zu diesem hin ausfüllen. Im Aschenraum des Ofens wurde gleichfalls eine kleine Menge verbrannter Menschenknochen entdeckt, die mit Koks vermengt waren.

Ofen Nr. 2

In diesem Ofen wurden ca. 0,5 m3 Asche von grauer Farbe sowie verbrannte Menschenknochen vorgefunden. Unter den Knochen befinden sich in großer Zahl guterhaltene Fersenknochen, Mittelhand-Knochen sowie einzelne Mittelfuß-Knochen. Im Raum unter dem Rost gibt es ebenfalls viel Asche und verbrannte Menschenknochen, darunter Unterarm-Knochen, Schulterknochen und Fingerglied-Knochen, welche ihre Form gut bewahrt haben. Der gesamte Raum unter dem Rost ist voll von verbrannten Knochen und Asche.

Ofen Nr. 3

Im Ofen liegen ungefähr 0,5 m3 graue Asche sowie verbrannte Menschenknochen, darunter guterhaltene Schienbeinknochen, Schenkelknochen, Kreuzbeinknochen sowie vereinzelte Wirbelknochen. Der Raum unter dem Rost ist zur Hälfte mit grauer Asche sowie kleinen, verbrannten Menschenknochen gefüllt. Im Aschenraum befinden sich kleinere Mengen von Asche sowie Splitter von verbrannten Menschenknochen.

Ofen Nr. 4

Im Ofen wurden ca. 0,5 m3 graue Asche und verbrannte Menschenknochen gefunden; darunter sind verbrannte Teile von großer röhrenförmiger Knochen, Beckenknochen und einzelne Wirbel erhalten. Im Raum unter dem Rost befinden sich Asche und einzelne Teile von Menschenknochen, die den Raum bis hin zum Rost auffüllen. Im Aschenraum liegen Asche in geringer Menge sowie Teile einzelner verbrannter Knochen.

Ofen Nr. 5

Im Ofen wurden eine geringe Menge grauer Asche sowie einzelne verbrannte Bruchstücke von Menschenknochen vorgefunden. Auch befindet sich im Ofen eine spezielle eiserne Bahre zum Einführen der Leichen. Im Raum unter dem Rost liegen Asche und Teile verbrannter Menschenknochen: Schenkel, Becken, Schultern usw.; sie füllen den gesamten Raum unter dem Rost. Der ganze Aschenraum ist mit Asche sowie kleinen Knochenteilen aufgefüllt.

Auf dem Platz vor den Öfen liegen 12 verkohlte Leichen, mit den Köpfen zu den Öfen in Reih und Glied. Bei vielen Leichen sind die Überreste einzelner Muskeln gut erhalten, und zwar sowohl am Rumpf als auch an den Extremitäten. Die unteren Extremitäten sind bei sämtlichen Leichnamen auf der Höhe des mittleren Drittels des Oberschenkels abgehauen; tatsächlich weisen die erhaltenen Knochen alle Schnittstellen an der gleichen Stelle auf. Die inneren Organe sind teilweise in Gestalt einer verkohlten, trockenen, abbröckelnden Masse erhalten. Die Schädel sind bei allen Leichen zertrümmert und angebrannt. Der Beckenform und den in einigen Fällen gut erhaltenen Geschlechtsteilen nach kann man schließen, daß sich unter den 12 Leichen 7 männliche und 5 weibliche befanden.

Auf dem dahinterliegenden Platz bei der Öffnung der Feuerung befindet sich eine geringe Anzahl von Koks. Auf dem gleichen Platz stehen vier gebogene eiserne Bahren, mittels deren die Leichen in die Öfen geschoben wurden. An der Ecke des Platzes, neben dem fünften Ofen, befinden sich ca. 50 metallene Urnen, von denen die meisten mit Asche sowie mit kleinen Teilen verbrannter Menschenknochen gefüllt sind.

In den Öfen sowie dem Raum unter dem jeweiligen Rost wurden insgesamt 4,5 m3 Asche und verbrannte Menschenknochen gefunden«[310].

Man kann sich schwerlich vorstellen, daß der Krematoriumsleiter nachlässig genug war, um ein Auftürmen von 0,5 m3 Knochen und Asche in den Aschenräumen zu dulden. Dies hätte keinerlei praktischen Nutzen mit sich gebracht, weil das Entfernen der Asche nach erfolgter Kremation mühelos durch einen Gehilfen vollzogen werden konnte. Zwei von Constantino Simonov veröffentlichte Fotos zeigen eine Muffel des Ofens von Majdanek, die voll von Knochenresten ist; solche bedecken den Rost zur Gänze[311]. Eine solche massive Anhäufung von menschlichen Überresten hätte zwangsläufig zu einer drastischen Verlangsamung des Verbrennungsprozesses geführt. Auch ist das Vorhandensein von Koks im Aschenraum des Ofens 1 nicht erklärlich, weil der Schacht des Generators vom Aschenraum getrennt war. Schließlich hätten die Teile großer Knochen (Schenkel-, Becken- und Schulterknochen) kaum durch die kleinen, nur 18 × 6 cm messenden Spalten des Muffelrostes fallen können. Diese Eigenartigkeiten finden nur eine einzige mögliche Erklärung:

Asche und Knochen wurden nach der Flucht der SS den Aschebehältern entnommen, in die man wohl auch die Koksschlacke warf, und dann in die Öfen gelegt. Zweifellos lag hier eine organisierte Inszenierung seitens der nach dem Abzug der Deutschen im Lager verbliebenen Häftlinge vor, welche dadurch den Anblick des Krematoriums so gruselig wie nur möglich gestalten wollten. Auch in den angeblichen Gaskammern bei der Baracke 41 wurde eine solche Inszenierung vorgenommen[312]. Dahinter steckte höchstwahrscheinlich jenes »Polnische Widerstandskomitee«, das laut Gerald Reitlinger nach dem Wegzug der SS das Kommando übernommen und Majdanek den Sowjets übergeben hatte[313].

Vermutlich wurden auch die zwölf von der Kommission vor den Öfen vorgefundenen Leichen vom gleichen Widerstandskomitee dorthin gelegt, um dem Spektakel die Krone aufzusetzen. Wie dem auch sei, die von J. Marszałek publizierte Fotografie[314] zeigt nur eine undeutliche Aufhäufung von Knochen. Die zur Kremation bestimmten Leichen waren wahrscheinlich aufgrund des Krematoriumbrandes versehrt; wenn ihnen also die Beine fehlten, dann darum, weil sie sich gelöst hatten und teilweise verbrannt waren.

Die Polnisch-Sowjetische Kommission behauptete dann, die Deutschen hätten die Toten verstümmelt, um gleichzeitig vier Leichen in einer Muffel verbrennen zu können. Selbstverständlich war diese ›Ermittlung‹ des Expertengremiums eine Lüge, die dazu diente, eine phantastisch hohe Kapazität des Krematoriums vorzugaukeln.


Anmerkungen

  1. »Technisches Büro und Fabrik für Abfallverbrennungsöfen aller Art und vollständige Verbrennungsanlagen. Kesseleinmauerungen - Schornsteinbau. Glüh-, Schmelz-, Muffel- und Wärmeöfen, sowie sämtliche Feuerungsanlagen der Metallindustrie. Einäscherungsöfen für Krematorien.«
  2. An den Deutschen Reichstag. Eingabe vom 20. Februar 1902 wegen Verbrennung von Pestleichen. Anlage II.
  3. »Bau und Betrieb von Krematorien. 1. Neue Wege und Ziele«, von Ingenieur H. Kori, Berlin, in: Die Wärmewirtschaft, 1. Jg., Nr. 8, 1924, S. 115.
  4. H. Kori G.m.b.H. Berlin. Verbrennungsöfen für Abfälle aller Art. Werbeprospekt aus dem Jahre 1927. APMM, VI-9a, Band 1.
  5. Die Wärmewirtschaft, 2. Jg., Nr. 6, 1925, S. 90.
  6. IV. Jahrbuch des Verbandes der Feuerbestattungs-Vereine Deutscher Sprache 1928, Königsberg Pr. 1928, S. 82; Einäscherungsofen System »Kori« im Krematorium der Stadt Hagen/Westf.; Einäscherungsöfen System »Kori« im Krematorium der Hauptstadt Schwerin (Werbeprospekte der dreißiger Jahre). APMM, VI-9a, Band 1.
  7. Friedrich Hellwig, »Vom Bau und Betrieb der Krematorien«, in: Gesundheits-Ingenieur, 54. Jg., Heft 24, 1931, S. 370.
  8. AaO. (Anm. 256), S. 115-119.
  9. »Amtliches. Bau und Betrieb von Krematorien«, in: Die Wärmewirtschaft, 2. Jg., Nr. 7, 1925, S. 108.
  10. Am 24. Dezember 1924 legte die Firma Topf Berufung gegen das Dekret des Innenministeriums ein, doch wurde diese verworfen. Die Wärmewirtschaft, 2. Jg., 1925, S. 89-91 und 95, 96; Nr. 7, 1925, S. 107, 108.
  11. Brief der Firma Kori an den Ingenieur Waller vom Amt C III des SS-WVHA. Archiv des Kuratoriums für Sühnemal KZ Dachau, 660/41.
  12. Siehe Dokument 18.
  13. APMM, sygn. VI-9a, Band 1.
  14. Siehe Dokument 19.
  15. J. Marzsalek, aaO. (Anm. 82), S. 55, 56; J. Marszałek, aaO. (Anm. 210), S. 33.
  16. Mußfeldt wurde am 1. Juni 1943 zum SS-Oberscharführer befördert. Im diesbezüglichen Vermerk der Kommandantur des KL Majdanek (GARF, 7021-107-5, S. 283; vgl. Dokument 27) erscheint die Schreibweise »Mußfeld«, die auch durch eine andere deutsche Urkunde belegt wird. Diese entstand 1944 in Auschwitz; es handelt sich um ein undatiertes Soldblatt für Unteroffiziere und Soldaten, das mit dem Namen »Osch. [Oberscharführer] Mußfeld« beginnt. Doch im Kästchen »Quittung« desselben Blatts erscheint die von Hand vorgenommene Unterschrift »Mußfeldt« (GARF, 7021-108-54, S. 96). Wir schreiben den Namen deswegen so und nicht »Mußfeld« oder »Muhsfeldt«, obgleich letztere, falsche Schreibweise in der polnischen Literatur durchwegs verwendet wird.
  17. Am 1. Juli 1942 war das Krematorium (BW XV) laut einem deutschen Dokument zu 80% vollendet (WAPL, Zentralbauleitung, 8, S. 3), doch ist es denkbar, daß der Ofenraum bereits im Juli fertigerstellt war, so daß Mußfeldts Angabe stimmen könnte.
  18. Diese Behauptung Mußfeldts steht allerdings im Gegensatz zum Rapport des SS-Hauptsturmführers Krone vom 20. Januar 1943, laut dem die zwei Öfen damals noch in Betrieb waren. Wir gehen auf den betreffenden Abschnitt des Krone-Berichts später in diesem Kapitel ein.
  19. Anna Zmijewska- Winiewska, aaO. (Anm. 165), S. 140.
  20. Siehe Dokument 4a und Fotografien III, IV.
  21. Siehe Dokument 7.
  22. Siehe Dokument 21.
  23. H. Kori G.m.b.H., Anbau einer Kohlenfeuerung am Ölbeheizten Krematoriumsofen, Berlin, 14.12. 44. ÖDMM, N 17, Nr. 6.
  24. Siehe Dokument 22.
  25. Siehe Dokument 20.
  26. GARF, 7021-107-9, S. 250. Siehe Dokument 23.
  27. APMM, sygn. VI-9a, Band 1.
  28. Siehe Dokument 24.
  29. Siehe Dokument 25.
  30. Siehe Dokument 26.
  31. Laut den Messungen der Kommission betrug die Länge 29,89 m.
  32. Siehe Kapitel VI.
  33. Siehe die Fotografie der Urnen im Buch von T. Mencel, aaO. (Anm. 24) (Foto auf unnumerierter Seite).
  34. Das Krematorium befand sich außerhalb der Lagerumzäunung und wies eine eigene Umzäunung auf.
  35. GARF, 7021-107-9, S. 235-237.
  36. Siehe Dokument 19.
  37. Siehe Fotografie VI.
  38. Brief der Firma Kori an den SS-Sturmbannführer Lenz vom 23. Oktober 1941. APMM, sygn. 9a, Band 1, S. 3, 4.
  39. APMM, sygn. VI-9a, Band 1, S. 25, 26.
  40. Obozowe krematorium w Trzebionce [Das Lagerkrematorium von Trzebionka], APMO, nr. Neg. 6671.
  41. Siehe Fotografie VII.
  42. Zur angeblichen Gewohnheit des Krematoriumpersonals, den Leichen vor der Verbrennung Arme und Beine abzuhacken, wird später das Notwendige gesagt.
  43. GARF, 7021-107-9, S. 245-249. Siehe Dokument 28. Die Zahlen bedeuten: 24 Stunden, 60 Minuten, 4 Leichen, 5 Muffeln, 15 Minuten (Verbrennungsdauer).
  44. Richard Kessler, »Rationelle Wärmewirtschaft in Krematorien unter besonderer Berücksichtigung der Leuchtgasfeuerung«, in: V. Jahrbuch des Verbandes der Feuerbestattungsvereine Deutscher Sprache, Königsberg Pr., 1930, S. 136
  45. E. Beutinger, Handbuch der Feuerbestattung, Carl Scholtze Verlag, Leipzig 1911, S. 106, 110, 113, 115.
  46. E. Nagel, Wege und Ziele der modernen Feuerbestattung, Verlag Wilhelm Ruppmann, Stuttgart 1922, S. 37.
  47. Richard Kessler, »Rationelle Wärmewirtschaft und den Krematorien nach Maßgabe der Versuche im Dessauer Krematorium«, in: Die Wärmewirtschaft, 4. Jg., Heft 9, 1927, S. 155.
  48. Hans Keller, »Versuche an einem Feuerbestattungsofen«, Sonderabdruck der Zeitschrift Archiv für Wärmewirtschaft und Dampfkesselwesen, 10. Jg., 1926, Heft 6, S. 3.
  49. Wilhelm Heepke, Die Kadaver-Vernichtungsanlagen, Verlag von Carl Marhold, Halle a.S. 1905, S. 43.
  50. APMO, ZO, sygn. D-pr-20/61a, S. 76: »Do jedney retorty wkladano tylko jedne zwłoki, spalenie ich trwało około 1 godziny.«
  51. Carlo Mattogno und Franco Deana, »Die Krematoriumsöfen von Auschwitz-Birkenau«, in: Ernst Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 16), S. 281-320.
  52. APMM, mikrofilm nr. 816, S. 10.
  53. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 15), S. VII.
  54. Anna Zmijewska- Winiewska, aaO. (Anm. 165), S. 140.
  55. C. Mattogno und F. Deana, aaO. (Anm. 304), S. 302.
  56. In diesem Fall konnte der geringe Kalorienwert der Leichen durch die von den zwei Ölbrennern gelieferte Hitze kompensiert werden.
  57. GARF, 7021-107-9, S. 256-259.
  58. C. Simonov, Constantino Simonov, Il campo dello sterminio [Das Vernichtungslager], Edizioni in lingue estere, Moskau 1944. Die Fotografien befinden sich auf nicht numerierten Seiten.
  59. Vgl. Kapitel VII.
  60. Gerald Reitlinger, aaO. (Anm. 2), S. 512.
  61. Marszałek, aaO. (Anm. 210). Die Fotografien befinden sich auf nicht numerierten Seiten.

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