Das Rudolf Gutachten auf http://www.vho.org/D/rga/rga.html


4.4. Zusammenfassung der Analysenergebnisse


Die bis ins tiefe Mauerwerk hineinreichenden extrem hohen Cyanidrückstände (1000 bis 10000 mg pro kg) in den Wänden der Entlausungsbaracken Bauwerk 5a und 5b sowie die schon nach einmaliger Begasung im Experiment deutlich nachweisbaren Cyanidrückstände (50 bis 100 mg pro kg) bestätigen die These, daß eisenhaltige Wandmaterialien, die Blausäuregas ausgesetzt werden, leicht große Mengen an Eisenblau bilden.
Die Existenz der bis heute blau gefärbten und mit Cyaniden angereicherten Außenwände der Entlausungstrakte der BW 5a und b beweist letztendlich die vorher schon theoretisch hergeleitete und im britischen Langzeittest bestätigte, dem Laien erstaunlich hoch erscheinende Umweltresistenz komplexer Eisencyanidverbindungen, besonders des Eisenblaus. Leuchters und Prof. Dr. J. Roths These (vgl. in Anm. 24) von der annähernden Unzerstörbarkeit des Pigments ist also vollkommen zuzustimmen. Diese Beständigkeit hat zur Folge, daß praktisch auch heute noch Eisenblauvorkommen, selbst wenn sie damals nur oberflächlich entstanden sind und vollkommen der Witterung ausgesetzt waren, fast ungemindert nachweisbar sind.
Ziegelstein hat eine besonders hohe Reaktivität gegenüber Blausäure, wenn das Eisen an der Oberfläche durch Umwelteinflüsse und Feuchtigkeit aktiviert wird.
Der Nachweis von Cyanidspuren in den Zwischenwänden der Heißluftanlage von BW 5a bei gleichzeitiger Bildung von Eisenblau an Eisenrost an Stellen, die erst nach dem Umbau eingefügt wurden, führt zu der Schlußfolgerung, daß durch einfache Raumentlausung Cyanidmengen im Mauerwerk gebunden werden können, wie sie in der gleichen Größenordnung auch in den normalen Barackengebäuden zu finden sind. Es wurde jedoch nachgewiesen, daß Cyanidwerte bis zu 10 mg pro kg kaum zu reproduzieren sind und auch auf allgemeines, natürliches Vorkommen zurückgeführt werden können. Damit sind alle positiven Analysenergebnisse aus allen angeblichen 'Gaskammern', die ohne Ausnahme Cyanidwerte nahe der Nachweisgrenze ergaben, wegen mangelnder Reproduzierbarkeit als unsignifikant zu bewerten, wie auch die Werte aus den übrigen Gebäuden. Selbst wenn man die geringen Spuren ernsthaft interpretieren wollte, beweist z.B. der Nachweis merklicher Cyanidspuren in dem ehemaligen Waschraum von Krematorium I, daß die dortigen Cyanidspuren nicht von Menschenvergasungen herrühren. Würden die Cyanidrückstände in der Leichenhalle ('Gaskammer') des Krematoriums I von Menschenvergasungen herrühren, so müßten in den Wänden der Leichenkeller I ('Gaskammern') der Krematorien II und III wegen deren ungefähr zwanzigfach intensiveren Begasung (weniger als 10000 Menschen bei 500 bis 700 Menschen pro Vorgang im Krematorium I gegenüber 400000 bei 800 bis 1200 Menschen pro Vorgang im Krematorium II, siehe Abschnitt 3.4.1.), die Werte der Cyanidrückstände entsprechend höher liegen.
Die Analysenbefunde der Proben aus dem Leichenkeller I ('Gaskammer') der Krematorien II und III sind aber denen der Leichenhalle ('Gaskammer') des Krematoriums I ähnlich, allerdings nicht reproduzierbar. Es ist daher eine wohlbegründete Annahme, daß auch hier die (nicht reproduzierbar) geringen Cyanidspuren als natürlich vorkommende Spuren oder als Analysenfehler zu gelten haben, nicht aber von Menschenvergasungen verursacht wurden.
Bei den angeblichen 'Gaskammern' (Leichenkeller I) der Krematorien II und III handelte es sich um ungeheizte, unterirdische Räume, deren Mauerwerk ohnehin mehr Feuchtigkeit besaß als ein oberirdischer, geheizter Raum. Die Körperausdunstungen der eingepferchten Menschen hätten die Luftfeuchtigkeit in den Kammern mit großer Eigenfeuchtigkeit schnell zur Übersättigung ansteigen lassen. Der Feuchtigkeitsüberschuß wäre am kühlen Mauerwerk kondensiert. Darüber hinaus soll der Boden des Raumes regelmäßig mit Wasser abgespritzt worden sein[100], was die Feuchtigkeit im feuchtigkeitsisolierten Bauwerk gegenüber einem fiktiv ungenutzten Raum nochmals hätte ansteigen lassen. Zudem wurde dieser Raum erst wenige Wochen vor der angeblichen Inbetriebnahme als 'Menschengaskammer' fertiggestellt, also mit einem frischen Wandverputz versehen, so daß die Wände in jeder Hinsicht eine starke Tendenz zur Anreicherung von Blausäure gehabt haben müssen.
Solche Wände haben gegenüber stark aufgeheizten (Wandtemperatur größer 15°C, geringe rel. Luftfeuchtigkeit) eine um einen Faktor größer als 10 höhere Tendenz zur Adsorption bzw. Absorption von Blausäure. Schon in  Abschnitt 2.5.4. wurde in einer rechnerischen Simulation gezeigt, daß die quasistationäre Blausäure-Konzentration im Mauerwerk einer feuchten 'Menschengaskammer' mit realistischer, mittlerer Kontaktzeit des Gases von ca. 24 min. zumindest ähnlich hoch ist wie die in einer warmen, trockenen Entlausungskammer mit wesentlich höheren Kontaktzeiten. Es muß zusätzlich bedacht werden, daß mit der Feuchtigkeit u.a. auch die Reaktivität im Mauerwerk in ähnlicher Größenordnung, also um den Faktor 10, ansteigt (siehe allgemein Abschnitt 2.3.). Man kann also von einer mindestens um den Faktor 10 erhöhten Bildungreaktivität von Eisenblau gegenüber geheizten, trockenen Räume ausgehen (Entlausungstrakte). Es ist also unter den damals angeblich herrschenden Bedingungen in den kühlen, feuchten Wänden der Leichenkeller I ('Gaskammern') der Krematorien II und III mindestens mit ebenso intensiver Pigmentbildung zu rechnen wie in den trockenen, warmen Wänden der Entlausungskammern, wenn das Produkt aus der relativen mittleren quasistationären HCN-Konzentration, gegeben durch die tägliche Kontaktzeit, und der absoluten Kontaktkonzentration der Blausäure in den trockenen Kammern um den Faktor 10 größer war als in den Kammern mit kühlen, feuchten Mauern.
Man kann für die zu erwartende Pigmentkonzentration CE eine Gleichung aufstellen:

CE = cq · ck · n · R        (19)

cq = relative quasistationäre Konzentration von HCN
ck =  absolute Kontaktkonzentration HCN

n = Anzahl der Begasungstage
R = Reaktivitätsfaktor

Die Betriebszeit des Entlausungstraktes BW 5a dauerte vom Herbst 1942[271] bis zum Sommer-Herbst 1943 (siehe Abschnitt 1.4.), also maximal 1 Jahr. Die Massenvergasungen in den Leichenkellern I ('Gaskammern') der Krematorien II und III sollen vom März bzw. Juni 1943 bis Herbst 1944 erfolgt sein mit annähernd täglichen Vergasungen, was einer Betriebsdauer von etwa 1 bis 1½ Jahren entspricht. Damit ist der Faktor n (Anzahl der Begasungstage) in obiger Gleichung in beiden Fällen ungefähr gleich.
Wenn es Massenvergasungen unter den bezeugten Bedingungen gegeben hätte (schneller Tod), so müßten große Zyklon B-Mengen eingesetzt worden sein, die in kurzer Zeit zu ähnlich hohen Blausäure-Konzentrationen geführt hätten wie bei den Sachbegasungen (ck ebenfalls gleich). Dabei hätte die Atmung der Opfer bei der bezeugten Hinrichtungsgeschwindigkeit von wenigen Minuten die Blausäurekonzentration höchstens auf 50% herabsetzen können (Abschnitt 3.4.2.2., ck(Vergasung) ca. ½ck(Entlausung)).
Die gegenüber dem BW 5a um den Faktor 1000 bis 10000 niedrigeren Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk der Leichenkeller I ('Gaskammer') der Krematorien II und III wären bei zehnfacher Bildungsreaktivität (Faktor R) des Mauerwerks (s.o.) nur dann erklärbar, wenn die relative quasistationäre Konzentration der Blausäure in der Wand um den Faktor 5000 bis 50000 niedriger lag als in den Sachentlausungskammern. Dort sei sie großzügig auf 100% angelegt, also einer ununterbrochenen Begasung (Entlausungsbetrieb rund um die Uhr). Das ergäbe für die 'Gaskammern' (Leichenkeller I) der Krematorien II und III eine maximal zulässige relative quasistationäre HCN-Konzentration in den Mauern von 0,002% bis 0,02% der Gesamtaufnahmefähigkeit. Dies entspräche einer Kontaktzeit im Bereich weniger Sekunden oder gar von nur Bruchteilen von Sekunden. Dies ist technisch vollkommen unmöglich. Selbst mit den Annahmen, daß bei den Menschenvergasungen entgegen den Zeugenaussagen nur 1/10 der Konzentration der Sachentlausungen verwendet wurde, kommt man nicht einmal in den Bereich einer Minute, die das Gas während eines Exekutionsvorganges die Wände hätte kontaktieren dürfen. Gerade bei Einsatz geringerer Mengen Blausäure würde sich der Exekutionsvorgang aber in die Länge gezogen haben, wodurch diese Betrachtung zum selben Ergebnis führt: technisch vollkommen unmöglich.
Es sei hier auf die Grenzen der obigen Gleichung hingewiesen. Da sie von einer konstanten HCN-Konzentration ausgeht, muß besonders bei längeren Begasungszeiten eine effektive Zeit eingesetzt werden, da im Laufe langfristiger Begasungen die Konzentration durch Adsorptionseffekte bis auf Null abnehmen kann. Eine einmalige Begasung des Leichenkellers I der Krematorien II und III mit 5 kg HCN (ca. 1 Vol.%) über 24 Stunden würde nach obiger Formel zu Cyanidgehalten führen, die ungefähr um den Faktor 20 bis 50 unter den Werten der Entlausungsbaracken liegen (10-faches R, cq gleich (24h-Betrieb) bis 3 mal so groß (4 Std./Tag), 1/500 n, gleiches ck = 1/50 CE), also im Bereich 20 - 500 mg CN- pro kg Gestein. Rechnet man andererseits, daß die ersten 2 cm des Wandmaterials 10% bis 20% (0,5 bis 1 kg) der eingesetzten Blausäure dauerhaft aufnehmen, was bei einer Oberfläche der Keller von ca. 600 m2 einem Volumen von etwa 12 m3 Gestein entspricht oder bei einer Dichte von ungefähr 1,6 g pro cm3 (siehe Tabelle 18) einer Masse von ca. 20000 kg, so kann das Mauerwerk nach einer 24stündigen Begasung nicht mehr als 25 bis 50 mg Cyanid pro kg Gestein dauerhaft aufweisen. Wie die Begasungsversuche gezeigt haben, wird tatsächlich innerhalb einer 24stündigen Begasung die Blausäurekonzentration in der Kammer durch Adsorption in der Wand fast vollständig auf Null herabgesetzt. Damit liegt die effektive Begasungszeit mindestens um den Faktor 4 niedriger als bei Annahme einer über 24 Stunden gleichen Konzentration. Die Versuchsergebnisse von 50 bis 100 mg pro kg (2 Vol.% HCN) wiederum zeigen, daß eine einmalige, 24stündige Begasung tatsächlich zu Cyanidrückständen in der Größenordnung der oben überschlagsweise errechneten Werte führt. Die in der Simulationsrechnung zur Entlausungskammer angenommene Begasungszeit von 4 Stunden entspräche somit einer realen Begasung mit schwankender Konzentration (niedrige Start- und Endkonzentration) von mindestens 20 Stunden, also einem realen Betrieb rund um die Uhr, so daß effektiv keine höheren quasistätionären HCN-Konzentrationen im Mauerwerk zu erreichen sind als 50%. Ähnliches gilt für die bei den vermuteten Menschenvergasungen eingesetzten Kontaktzeiten. Zu beachten ist also, daß hier die Betriebszeit der Entlausungsanlagen unrealistisch hoch angesetzt wurde. In Wirklichkeit werden diese Anlagen nicht täglich und nicht rund um die Uhr gearbeitet haben und schon gleich gar nicht mit 24-stündiger Blausäure-Maximalkonzentration. Zur Ansammlung der in diesen Mauern auffindbaren Cyanidkonzentrationen werden also schon weitaus geringere Begasungszeiten ausgereicht haben als hier angenommen wurde.
Weiterhin muß berücksichtigt werden, daß besonders im Entlausungstrakt des Bauwerks 5b annähernd alles Eisen zum Eisenblau umgesetzt wurde, zumindest aber das dem Blausäure-Gas leicht zugängliche, an der Materialoberfläche befindliche Eisen. Damit ist aber eine Aussage nicht mehr möglich, wie lange eine Anlage benötigt, bis sie diesen Sättigungsgrad erreicht. Es ist durchaus möglich, daß dieser Punkt schon weitaus früher erreicht wurde als hier angenommen, nämlich schon bei einer wesentlich kürzeren Betriebszeit als der der angeblichen 'Menschengaskammern' (1 - 1½ Jahre).
Schließlich ist hier bei der Feststellung des Reaktivitätsfaktors R bewußt nur ein mit Zahlen sicher belegter Effekt eingeflossen: Die ca. zehnfach erhöhte Adsorption von Blausäure in feuchtem Mauerwerk. Unberücksichtigt blieb die eventuell höhere Blausäure-Anreicherung im Zementmörtel der Leichenkeller gegenüber dem Kalkmörtel der Entlausungskammern wegen höherer spezifischer Oberflächen und höherer Basizität, die höhere Löslichkeit von Blausäure in Wasser bei tieferen Temperaturen, die allgemein erhöhte Reaktivität feuchten Wandmaterials usw...
Man erkennt aus den hier gewonnenen Erkenntnissen außerdem, daß eine einmalige oder mehrmalige ganztägige Begasung der kühl-feuchten Leichenkeller der Krematorien II und III in Birkenau zur Entlausung zu deutlichen Cyanidspuren hätte führen müssen, vor allem und mit Sicherheit dann, wenn dies kurz nach Errichtung des Gebäudes geschehen wäre. Denn wie der bereits zitierte Bauschadensfall beweist, ist es sogar möglich, daß unter bestimmten Umständen bereits eine einzige Begasung ausreicht, um zu entsprechend hohen Rückständen zu gelangen[170]. Voraussetzung dafür ist, daß der Mauerputz eine genügend hohe Feuchtigkeit und Alkalität besitzt, was damals bei den Kellerräumen ('Gaskammern') der Krematorien II und III zumindest für den Zeitraum von mehreren Wochen nach ihrer Fertigstellung geben war.
Aufgrund fehlender reproduzierbarer Cyanidrückstände kann man daher mit ziehmlicher Sicherheit davon ausgehen, daß diese Räumlichkeiten besonders in den ersten Monaten nach ihrer Fertigstellung nicht mit Zyklon B begast wurden - sei es nun zu Entlausungszwecken oder zur Menschentötung.
(C. Mattogno vertritt die These, daß die Leichenkeller I der Krematorien II und III möglicherweise anfangs dazu vorgesehen waren, als Entlausungsanlagen zweckentfremdet zu werden, da die Entlausungskapazität im Lager katastrophal niedrig war und diese Keller immerhin eine Lüftungsanlage besaßen. Laut persönlicher Auskunft von Jürgen Graf  haben die Herren  Graf und Mattogno bei einem ihrer Besuche im Zentralarchiv von Moskau ein Dokument gefunden, das diese These stützt. Angesichts der Kühle und Feuchte dieser Keller, die sie für einen Entlausungsbetrieb denkbar ungünstig erscheinen lassen, wie auch in Anbetracht der Analysenergebnisse ist es aber sehr unwahrscheinlich, daß man dieses eventuelle Vorhaben in die Tat umsetzte.)
In den wenigen gemauerten Häftlingsbaracken des Lagers - fast alle lagen im ältesten Lagerabschnitt BI - mußte eine einmalige Entausung mit Zyklon B hingegen nicht unbedingt zu Cyanidrückständen führen. Hier wird man davon ausgehen können, daß die Begasung dieser Gebäude erst nach Ausbruch der Fleckfieberepidemie im Sommer 1942 erfolgte, also zu einem Zeitpunkt, als die im Winter 1941/1942 errichteten Gebäude schon eine gewisse Zeit standen und der Kalkmörtel abgebunden war. Außerdem liegt die Reaktivität dieser oberirdisch gelegenen, heizbaren und damit trockenen Gebäude ohnehin mindestens um den Faktor 10 niedriger als die der Leichenkeller. Einige wenige Begasungen zur Entlausung würden daher höchstens zur Bildung weniger mg Cyanid geführt haben können, womit man in den analytisch unsicheren Bereich der Nachweisgrenze gelangt.
Aus den Überlegungen bezüglich der Leichenkeller ergibt sich zudem, daß bei Begasungen mit konstanter Konzentration über einen Zeitraum von nur wenigen Minuten nur jeweils (dank des Schwammeffektes) einige mg Cyanid pro kg Mauermaterial und Vergasungsvorgang aufgenommen werden würden (an der Quelle mehr, in entfernten Winkeln weniger).
Alle diese Punkte sowie die sich damit deckenden Ergebnisse aus Abschnitt 2.5.4. (Simulationsrechnungen) rechtfertigen weiterhin folgenden Schluß: Bei rund 400 Vergasungsvorgängen mit je 1000 Menschen (macht 400000 für den Leichenkeller I ('Gaskammer') des Krematoriums II, siehe Abschnitt 3.4.1.) müßte angesichts der hohen Absorption von Blausäure in den schwitzwasserfeuchten Kellerwänden sowie der tatsächlich möglichen, längeren Gaskontaktzeit (Gasfreisetzung, Abschnitt 3.2., und Belüftungszeit, Abschnitt 3.4.2.4.) in den Wänden mit Cyanidwerten gerechnet werden, die ähnlich hoch wie die des Mauerwerks der Sachentlausungskammern sind. Dies hätte zudem bei der die Pigmentbildung an der Oberfläche fördernden Feuchtigkeit der Keller eine Blaufärbung der Mauern zur Folge gehabt. Besonders in der Nähe der angeblichen Zyklon B-Einwurfschächte müßte der Cyanidbefund deutlich sein, wenn es dort Massenvergasungen gegeben haben soll. Problematisch ist hier die Tatsache, daß es offensichtlich keine Zyklon B-Einwurfschächte gibt, bei denen man Proben nehmen könnte (siehe Abschnitt 1.3.1.). Die Zeugenaussagen gemäße Durchführung von Menschenvergasungen wenige Wochen nach Fertigstellung des Leichenkellers I von Krema II, also im März/April 1943, hätte aufgrund des noch nicht gänzlich abgebundenen Mörtels allein schon zu merklichen langzeitstabilen Cyanidrückständen führen müssen.
Die tatsächlich in den angeblichen 'Gaskammern' gefundenen Cyanidwerte sind weder reproduzierbar noch gegenüber den übrigen Anlagen signifikant erhöht. Eine sachgemäße Interpretation der Ergebnisse kann daher nur lauten, daß man keine Cyanide in den Wänden der mutmaßlichen Menschenvergasungsanlagen findet.
Mit Gewißheit war mangels Lüftung die Kontaktzeit der Blausäure mit dem Mauerwerk in den angeblichen 'Gaskammern' der Krematorien IV und V je Begasung größer als die mit dem Mauerwerk der Entlausungstrakte der Bauwerke 5a und b. Dank der Heizung konnte das Gas in ersteren auch tiefer ins Mauerwerk eindringen. Ein entschieden hoher Analysenbefund auch im Inneren von verbliebenem Mörtelmaterial oder stellenweise an Ziegeln, die wie bei Bauwerk 5a äußerlich blaue Färbung zeigen, müßte auffindbar sein, falls dort Massenvergasungen stattgefunden haben sollten. Da dies nicht der Fall ist, sondern vielmehr auch hier alle Analysenergebnisse Werte im Nullbereich aufweisen oder in der Größenordnung der Ergebnisse der Proben aus den Häftlingsbaracken liegen, ist auch hier das Zustandekommen dieser Rückstände, deren Reproduzierbarkeit ebenfalls nicht gegeben sein wird, durch ubiquitäres Vorkommen bzw. durch die Grenze der Leistungsfähigkeit der Analysenmethode erklärbar, nicht aber durch die Verwendung der Räumlichkeiten als 'Menschengaskammern'.


Anmerkung

  1. Zentralarchiv Moskau, Dok. Nr. 502-1-214


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