Das Rudolf Gutachten in der Kritik, Teil 2

Einige Überlegungen über die »Gaskammern« von Auschwitz und Birkenau

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

Bereits in der Ausgabe 2/1997, S. 102-108, befaßten sich die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung mit der damals im französischen Sprachgebiet einsetzenden Diskussion um das 1996 auch in französischer Sprache erschienene Rudolf Gutachten.[1] Leider wurde die damalige Diskussion durch das Verbot des Rudolf Gutachtens seitens des französischen Innenministeriums abrupt abgewürgt.[2] Eine von einem promovierten Chemiker verfaßte gutachterliche Stellungnahme zum Rudolf Gutachten, erstellt im Zusammenhang mit einem Strafprozeß in der Schweiz, führte im letzten Jahr immerhin zu einem Freispruch in dem betroffenen Anklagepunkt. Einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Thesen des Gutachtens wich der Gutachter jedoch aus, wie im anschießenden Beitrag von Ferdinand Dupont dargelegt wird. Ganz anders verhält sich der US-Bürger Richard J. Green, der sich den Thesen des Rudolf Gutachtens inhaltlich stellt und mit dem es daher zu einer sachbezogenen Fachdiskussion gekommen ist. Da die Arbeiten Greens zu umfangreich sind, können sie in diesem Rahmen nicht komplett in Übersetzung abgedruckt werden. Es wird aber dem Interessierten geraten, die in der nachfolgenden Erwiderung angeführten Internet-Adressen zwecks Bildung einer eigenen Meinung aufzusuchen.


1. Politisch-polemische Ansätze[3]

Wir alle kennen diese Diskussionsansätze im Umgang mit dem Revisionismus, und nichts liegt mir ferner als jemanden durch das erneute Zitieren derartiger Phrasen langweilen zu wollen. Einige wenige Beispiele aus dem zur Zeit aktuellsten Versuch, die Revisionisten zu widerlegen, möchte ich aber dennoch anführen. Dieser Versuch wurde von Richard J. Green auf seiner Internetseite http://www.holocaust-history.org unternommen, und zwar bezüglich meines Gutachtens mit seinen beiden Artikeln »Leuchter, Rudolf, and the Iron Blues« (Leuchter, Rudolf und die Eisenblaus) und »The Chemistry of Auschwitz« (Die Chemie von Auschwitz), wobei ich mich wegen seines Tiefganges hier auf letzteren beschränken werde.[4]

Zunächst wiederholt Green lediglich jene "Argumente" von Deborah Lipstadt,[5] zum Beispiel die dumme, unwissenschaftliche Behauptung, daß es mit den, wie sie uns nennen, »Holocaust-Leugnern« keine Debatte geben sollte.

Er führt aus, Leuchter habe nicht jene von ihm behaupteten Qualifikationen besessen, was zumindest nicht ganz stimmt[6] und zudem wissenschaftlich betrachtet unerheblich ist.

Er meint nicht verstehen zu können, warum ich unter verschiedenen Pseudonymen publiziert habe, auch wenn er zugibt, daß ich auf unakzeptierbare Weise wegen meiner Ansichten verfolgt werde.

Green unterstellt, daß die von der Verfassung der Vereinigten Staaten garantierte Meinungsfreiheit in dem Augenblick verloren ginge, wenn:

»Leute wie Rudolf oder sein Held Remer jemals an die Macht kommen sollten«.

Ich kann hier selbstverständlich nicht für Generalmajor a.D. Remer sprechen, der im Oktober 1997 verstarb, aber bezüglich meiner Person ist diese Unterstellung nicht nur falsch, es ist eine Beleidigung. Und mehr noch: General Remer ist nicht mein Held. Er war ein Angeklagter, der ein Recht auf eine uneingeschränkte Verteidigung hatte wie jeder Angeklagte. Indem er Remer als meinen Held beschreibt, möchte mir Green offenbar ein politisches Motiv unterschieben, ein durchsichtiges und unzulässiges Manöver.

Schließlich bezeichnet Green meine Argumente als »Täuschungen«:

»Aufgrund der Tatsache, daß er [Rudolf] tatsächlich einige Chemiekenntnisse besitzt, sind seine Täuschungen ausgeklügelter als die der anderen Holocaust-Leugner. Nichtchemiker sollten daher beim Aufgreifen seiner Argumente vorsichtig sein. Letzten Endes wendet er aber die gleichen Irreführungen und trügerischen Argumente an wie Leuchter und Lüftl, auch wenn er bei seinen Betrügereien und Argumenten auf eine schwierigere Chemie zurückgreift.«

Aber selbst wenn ich Fehler gemacht habe - niemand ist perfekt -, heißt dies nicht, daß ich beabsichtigte, jemanden zu täuschen. Diese Unterstellung böser Absichten, eine Methode, die leider auf beiden Seiten dieser Debatte anzutreffen ist, hat zur Voraussetzung, daß der Unterstellende selbst fest daran glaubt, daß er im Besitz der einen und absoluten Wahrheit ist. Andererseits hat dieses Verhalten zur Konsequenz, daß die gegnerische Seite in ihren Rechten eingeschränkt wird, etwa indem ihr nicht zugestanden wird, wissenschaftlich gültige Argumente zu haben, indem ihr die Teilnahme an Diskussionen und Debatten verwehrt wird. Als letzten Schritt werden ihr schließlich ihre Menschenrechte auf freie Meinungsäußerung und Wissenschaftsfreiheit vorenthalten, wie wir es heute bereits in vielen Ländern Europas sehen können. Und tatsächlich besteht Green strikt darauf, daß seine Ansichten über historische Ereignisse »historische Fakten« sind, daß das, was die Revisionisten betreiben, »Pseudowissenschaft« bzw. »pseudowissenschaftlich« ist; daß sie »widerliche und falsche Propaganda« verbreiten; und selbst wenn es »erlaubt sein sollte, Unwahrheiten zu verbreiten, so wird deshalb aus der Unwahrheit keine Wahrheit«. Er unterstellt, wir Revisionisten würden es lieben, »ein bißchen Verwirrung zu stiften, um die Wahrheit zu verschleiern«; daß wir eine »Lüge« erzählten, die er, Richard J. Green, als solche »offenlegen« möchte.

In seinen Schlußfolgerungen schreibt Richard Green:

»Es bringt mich nicht in Verlegenheit, Holocaust-Leugnung als Haßreden zu bezeichnen. Genau das ist es. Leute, die klug genug sind für solche Verschleierungen mittels pseudowissenschaftlicher Argumente, sind auch klug genug, um zu wissen, was sie tun: sie propagieren eine Lüge. Auch wenn einige Personen die Holocaust-Leugnung aufgrund ihrer geistigen Beschränkung oder wegen Geisteskrankheiten anziehend finden, so sind es doch ganz andere Personen, die diese schlauen, aber lügenhaften pseudowissenschaftlichen Gutachten schreiben. Die Leute, die diese Gutachten schreiben, werden von dem Wunsch angetrieben, den Nationalsozialismus, eine Ideologie des Hasses, zu rehabilitieren. Dies sind Haßreden, und indem ich sie so nenne, mache ich nur von meinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch.«

Hier haben wir es: eine Haßrede. Zu unterstellen, jemand wolle die Inkarnation des Teufels auf Erden rehabilitieren - und genau das ist der Nationalsozialismus in den Augen der überwiegenden Mehrheit aller Menschen -, und daß zu diesem Zwecke teuflische Techniken angewendet werden bzw. alternativ dazu, daß man geisteskrank bzw. -schwach ist. Auf lange Sicht betrachtet bringt uns diese Art der Argumentation in die Irrenanstalten, Gefängnisse oder auf die Scheiterhaufen, eine Situation, die in Deutschland leider nicht mehr irreal ist.[7] Greens Auslassungen sind daher wahre Haßreden, aber leider sind sie "politisch korrekt" und werden somit annähern von jedem unterstützt. Und nebenbei angemerkt: Selbst wenn es wahr wäre, daß einige von uns den Nationalsozialismus rehabilitieren wollen - ich gehe davon aus, daß dies nur eine Minderheit ist -, so ist das kein Argument gegen die Gültigkeit unserer Argumente.

Andererseits ist Richard Greens Art der Argumentation Beweis dafür, daß er selbst eine starke politische Motivation hat, die seine Wahrnehmung der Realität verzerren mag: anscheinend ist er ein extremer Gegner jeder historischen Rehabilitation des Nationalsozialismus. Aber derartige Motivationen dürfen unsere wissenschaftliche Argumentation nicht beeinflussen, da sie rein politischer Natur sind. Die Ergebnisse unserer wissenschaftlichen Forschung dürfen nicht davon abhängen, welche Auswirkung sie auf die Reinheit der Weste irgendwelcher historischer Personen oder politischer Ideologien haben. Sich um die weiß- oder schwarzwaschende Wirkung irgendeiner Forschung Sorgen zu machen ist in hohem Maße unwissenschaftlich.

2. Der technische Ansatz: »No Holes, no "Holocaust"«

Green widmet dem berühmten Slogan von Robert Faurisson »No Holes, no "Holocaust"« (keine Löcher, kein Holocaust) einige wenige Absätze. Nach Green zeigen alliierte Luftaufnahmen tatsächlich vier Öffnungen in der Decke des Leichenkellers 1 von Krematorium II in Birkenau, der angeblich am häufigsten zur Menschentötung verwendeten Gaskammer. Er bezieht sich dabei auf Michael Shermer und seinen wohlbekannten Artikel in der Zeitschrift Skeptic, wie er 1997 leicht modifiziert in seinem Buch Why People Believe Weird Things nachgedruckt wurde.[8] Shermer zitiert seinerseits einen Experten der CIA, der auf den Bildern »Beweise einer Vernichtungsaktivität« gefunden haben will, was aber völliger Unsinn ist, da derartige Aktivitäten nicht zu finden sind.

Shermer reproduziert eines der 1944 aufgenommenen Luftbilder von Krema II sowie ein 1942 auf Bodenniveau aufgenommenes Foto. Ich zitiere nachfolgend Shermers diesbezüglichen Absatz:

»Das Luftfoto in Abbildung 23 zeigt die charakteristischen Eigenschaften des Krema II. Man bemerke den langen Schatten des Krematoriumskamins und auf dem Dach der im rechten Winkel vom Krematoriumsgebäude abstehenden Gaskammer die vier gestaffelten Schatten. [Holocaust-Bestreiter John Clive] Ball behauptet, diese Schatten seien eingezeichnet worden, aber vier kleine Gegenstände, die zu diesen Schatten passen, sind auf dem Dach der Gaskammern in Abbildung 24 sichtbar, einem Bild der Rückseite des Krema II, das von einem Fotograf der SS aufgenommen wurde [...]«

Nun wollen wir diese Behauptungen genauer betrachten.

Abbildung 1 (zum Öffnen anklicken) ist eine Ausschnittsvergrößerung eines Luftfotos des Lagers Birkenau, das von einem alliierten Aufklärer Ende August 1944 aufgenommen wurde.[9]

Lassen Sie uns nun die auf den Dächern der Leichenkeller 1 der Krematorien III (Abb. 1, linker Pfeil) und II (Abb. 1, rechter Pfeil), den angeblichen Gaskammern, sichtbaren dunklen Flecken etwas genauer betrachten.

In Abb. 2 (zum Öffnen anklicken) habe ich einige erklärende Grafiken hinzugefügt.

Zunächst einmal zeigen die Richtungen dieser Flecken, daß es sich nicht um Schatten handeln kann. Dafür haben sie einfach die falsche Richtung, wenn man sie mit dem Schatten des Kamins vergleicht. Der Winkel zwischen diesem Schatten und der Hauptausrichtung des Krematoriums beträgt etwa 45°. Der Winkel zwischen den Flecken und der Hauptausrichtung des Krematoriums beträgt aber 75 bis 80° Grad im Falle des Krematoriums III und 80-90° im Falle des Krematorium II.

Zweitens sind diese Flecken viel zu groß, als daß sie als Zyklon B-Einwurflöcher hätten dienen können. Sie sind etwa 3-4 m lang und etwa 1 m breit, was im Falle von Schatten bedeuten würde, daß das zugehörige Objekt etwa 3 m hoch wäre. (Dies ergibt sich aus dem Verhältnis von der bekannten Höhe des Kamins zur Länge seines Schattens.) Allerdings können diese Flecken, wie gezeigt, keine Schatten sein, sondern müssen zu recht flachen Objekten gehören. Wenn es sich bei ihnen allerdings um (übrigens enorm unregelmäßige) Löcher handelte, würde ihre enorme Größe die Decken dieser Leichenkeller zerstört haben müssen.

Querschnitt Leichenkeller 1 Krema II, Auschwitz-Birkenau Abbildung 3 (links): Querschnitt durch den Leichenkeller 1 von Krema II (Zum Vergrößern anklicken)
Abbildung 4 (oben): Schemazeichnung des Leichenkellers 1 ( ) von Krema II. ‚ : heute auffindbare Löcher (ungefähre Lage und Größe) ƒ : Flecken auf Luftaufnahme.

Abbildung 3 zeigt einen Querschnitt durch den Leichenkeller 1 von Krematorium II.[10] Die numerierten Kreuze bezeichnen Stellen, an denen Fred Leuchter seine Proben entnommen hat. Die gepunktete Linie entlang dieses Leichenkellers deutet einen Stahlbetonträger an, der sich durch die ganze Länge des Kellers über die sieben tragenden Stahlbetonpfeiler entlangzog. Wenn die vier auf dem Luftbild sichtbaren Flecken auf der Mitte des Daches Löcher gewesen wären, hätten sie diesen Stützträger zerstört und damit die ganze tragende Struktur dieser Leichenkellerdecke.

Wie in der von John Ball nach dieser Luftaufnahme gezeichneten Abbildung 4 gezeigt, liegen die vier auf dem Luftbild sichtbaren Flecken (ƒ ) zudem weder an gleicher Stelle wie die zwei einzigen heute in der Decke auffindbaren Löcher (‚ ) nach haben sie auch nur annähernd deren Größe oder Form.[11]

Somit ist bewiesen, daß es sich bei diesen Flecken unmöglich um Löcher handeln kann.

Nun wollen wir uns dem Bodenfoto aus dem Februar 1943 widmen, das Green erwähnt hat und das in Danuta Czechs Buch über Birkenau gefunden werden kann, Abbildung 5.[12]

Abbildung 5: Bodenaufnahme des Krematoriums II mit Blick gen Westen, über den Leichenkeller 1 hinweg.


Abbildung 6a und 6b: Ausschnittsvergrößerung aus Abb. 5, Abb. 6b (unten) mit Erläuterungen. (Zum Vergrößern anklicken)

Abbildung 7: Querschnittszeichnung des Leichenkellers 1 von Krema II mit eingezeichneten Fluchtlinien als mögliche Aufenthaltsorte der drei Objekte aus Abbildung 5, sowie grau: ungefähre Lage und Größe der tatsächlich vorhandenen zwei Löcher.

Wenn man den gekennzeichneten Bereich des Bildes vergrößert (Abbildung 6a+b), erkennt man, daß sich anscheinend nur drei Objekte auf dem Dach der Leichenkellers 1 von Krema II befinden, nicht vier, wie von Shermer und Green angegeben. Das vierte Objekt an der rechten Seite (vgl. den Pfeil in Abb. 6b) befindet sich offensichtlich nicht auf dem Dach, sondern dahinter.

Wie man leicht erkennt, haben die drei auf dem Dach befindlichen Objekte weder die gleiche Größe noch die gleiche Schattenfarbe. Es muß daher geschlossen werden, daß diese Objekte weder die gleichen Maße noch die gleiche Form oder Orientierung hatten, da sie sonst die gleiche Schattenfarbe haben müßten.

Abbildung 7 ist eine Querschnittszeichnung des Leichenkellers 1 von Krema II mit eingezeichneten Fluchtlinien als mögliche Aufenthaltsorte der drei Objekte aus Abbildung 5, wie sie von Jean-Marie Boisdefeu angefertigt wurde.[13] Daraus wird deutlich, daß diese Objekte nicht gleichmäßig auf dem Dach verteilt sind, sondern sich vielmehr recht nahe beieinander befinden. Zudem befindet sich nur eines der heute tatsächlich auffindbaren Löcher auf einer dieser Fluchtlinien, namentlich das rechte der in Abbildung 4 gezeigten Löcher (ungefähre Lage der tatsächlichen Löcher als graue Rechtecke eingezeichnet).

Da sich das Krematorium II zu jener Zeit noch im Bau befand, erscheint es vernünftig anzunehmen, daß es sich bei diesen Objekten z.B. um Baumaterial handelt, daß zeitweise auf dem Dach des Leichenkellers gelagert wurde.

Es gibt kein weiteres Foto mit Objekten auf diesem Dach. Allerdings haben wir ein Bild gefunden, daß jene Objekte gerade nicht zeigt. Es wurde im Januar 1943 aufgenommen und von Danuta Czech veröffentlicht (Abbildung 8).[14] Die Schneeschicht auf Dach weist daraufhin, daß das Dach zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt war. Zyklon B-Einwurfvorrichtungen sind hier aber nicht zu sehen.

Ich habe bereits in der Erstausgabe meines Gutachtens ausführlich dargelegt, warum die heute in der Decke des Leichenkellers 1 von Krema II, also der angeblichen Gaskammer, auffindbaren zwei Löcher mit bautechnischer Gewißheit nach der Zerstörung der Krematorien im Winter 1944/45 hergestellt wurden. Die Hauptargumente dafür seien hier kurz zusammengefaßt:

Abbildung 8: Das Krematorium II im Januar 1943, im Vordergrund der Leichenkeller 1 (angebliche Gaskammer), ohne Einfüllstutzen. (Zum Vergrößern anklicken)

  1. Die beiden Löcher wurden nachträglich durch den Beton gemeißelt. Die Meißelspuren sind bis heute sichtbar.
  2. Besonders das mehr in der Mitte des Daches befindliche Loch wurde nie fertiggestellt. Noch heute ragen die einfach durchtrennten und lediglich umgebogenen Moniereisen in das Loch hinein.
  3. Die ohne Zweifel erfolgte Sprengung dieses Leichenkellers kurz vor dem Rückzug der Deutschen hätte die Decke insbesondere um die Löcher herum völlig zerstören müssen, wenn es diese zur Zeit der Sprengung bereits gegeben hätte. Dies ist aber bei beiden Löchern nicht der Fall. Die Decke um das Loch in der Mitte ist sogar erstaunlich intakt.

Daher ist mit Sicherheit davon auszugehen, daß diese Löcher nach der Sprengung durchgeschlagen wurden.[15]

Somit ist Prof. Dr. Robert Faurissons Slogan weiterhin gültig: »No Holes, No "Holocaust"« - Keine Löcher, kein "Holocaust".

Dieser Artikel könnte mit diesem Satz enden, zumal es nicht sehr sinnreich ist, chemische Probleme von Zyklon B zu diskutieren, wenn bewiesen worden ist, daß es keine Möglichkeit gab, das Giftgas den Zeugenaussagen entsprechend einzuführen. Ich werde aber dennoch einige Worte zur Chemie von Auschwitz anbringen.

3. Der chemische Ansatz: »Der heilige Geist von Wiesenfeld«

Ich möchte mich hier strikt auf die Frage der Bildung und Nachweisbarkeit von Eisenblau beschränken, jener berühmten blauen Eisencyanidverbindung, die sich bei der Begasung von Mauerwerk mit Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN, »Zyklon B«) bilden kann. Dabei möchte ich mit einigen falschen Vorstellungen aufräumen, die sich nicht nur, aber besonders unter Revisionisten hartnäckig halten.

Es gibt prinzipiell drei denkbare Erklärungen für den wohlbekannten Unterschied zwischen den Wänden der uns erhalten gebliebenen Zyklon B-, d.h. Cyanwasserstoff-Entlausungskammern in Auschwitz, Birkenau und Majdanek einerseits (sehr hoher Cyanidgehalt) und den angeblichen Auschwitzer bzw. Birkenauer Menschengaskammern andererseits (sehr niedriger bis nicht nachweisbarer Cyanidgehalt). Green führt diese drei Erklärungsmöglichkeiten an:

  1. »Die Anwesenheit von Preußisch Blau [= Berliner- bzw. Eisenblau] ist eine notwendige Folge der Begasung mit HCN, und die Tatsache, daß dieser Farbstoff in den Menschentötungsgaskammern nicht vorhanden ist, beweist, daß sie nicht für Menschenvergasungen benutzt wurden.« (Hervorh. durch mich.) Das ist die Weise, in der Leuchter argumentiert,[16] und ich stimme mit Green darin überein, daß dies eine unbegründete Annahme ist.
  2. »Die Berlinblau Verfärbung hat Gründe, die nichts mit einer HCN-Begasung zu tun hat. Diese These vertritt zum Beispiel der Österreichische Chemiker Dr. Josef Bailer, der behauptete, bei den Verfärbungen handele es sich um Wandfarbe.« Auch in diesem Punkt stimme ich mit Green überein, der Bailers unfundierte Theorie mehr oder weniger ablehnt.
  3. »Die Eisenblau-Verfärbungen stammen tatsächlich von HCN-Begasungen her, aber die Bedingungen, unter denen sie sich bilden, sind nicht überall und in allen Anlagen, die mit HCN begast werden, gegeben. Die Bildungsrate von Eisenblau kann unter den Bedingungen der Menschengaskammern ganz anders sein als im Falle der Entlausungskammern.« Und wiederum stimme ich mit Green überein, daß dies der richtige Ansatz zur Untersuchung unseres Problems ist.

Ich muß aber vehement widersprechen, wenn Green wie folgt fortfährt:

»Antwort Nr. eins ist natürlich unhaltbar. Wir wissen durch geschichtliche Beweise, die von der beteiligten Chemie unabhängig sind, daß es Menschentötungsvergasungen gab.«

Zunächst einmal kann man chemische oder andere Erkenntnisse der exakten Wissenschaften nicht mit Augenzeugen widerlegen, den meines Wissens einzigen "Beweisen", die es sonst noch gibt. Green macht sich noch nicht einmal die Mühe uns anzudeuten, auf welche »anderen geschichtlichen Beweise« er sich bezieht.

Zweitens und höchst interessanterweise macht dieser Satz deutlich, daß Green offenbar keinen Beweis der exakten Wissenschaften akzeptieren will, der das widerlegt, was er für wahr hält. Dies zeigt, daß es unmöglich ist, Greens Auffassung zu dieser Angelegenheit zu ändern, d.h., daß seine Meinung keine wissenschaftliche ist, sondern eine dogmatische.

Green ist der erste exterminationistische Autor, der meinen Vorschlag über den Bildungsmechanismus von Eisenblau aus Blausäure und Eisenoxiden aufgreift, wobei die letztgenannten Verbindungen ein gewöhnlicher Bestandteil aller möglichen Arten von Mörtel, Putz und Beton sind.[17] Green fügt dem sogar noch einige weitere Erklärungsansätze hinzu, auf die es sich aber hier nicht lohnt, näher einzugehen.

Ich habe bereits an mehreren Stellen ausführlich dargelegt, welche Faktoren die Bildung von langzeitstabilen Eisencyanidverbindungen beeinflussen können, so daß der interessierte Leser darauf verwiesen sei.[18] Zusammenfassend dargestellt spielen die folgenden Faktoren die Hauptrollen:

Green fängt eine Diskussion dieser Faktoren an, die den Bildungsprozeß von Eisenblau entscheidend beeinflussen können, bricht sie jedoch ab, ohne in Details zu gehen, was er wie folgt begründet:

»daß die damit verbundene Kinetik zu schwierig ist, als daß sie ohne den Rückgriff auf das Experiment simuliert werden könnte«.

Wiederum stimme ich mit Green bis zu einem bestimmten Punkt überein: Eine genau Antwort auf die Frage: Konnten sich langzeitstabile Eisenblau-Verbindungen in den Menschengaskammern bilden, und wenn: welche Menge würde sich gebildet haben? würde in der Tat Experimente voraussetzen, die natürlich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden können - mit Ausnahme vielleicht, wenn man einige Revisionisten dafür hernähme, die manchmal recht darauf erpicht zu sein scheinen, derartige Experimente durchzuführen. So erinnere ich mich, daß sich Jürgen Graf einmal selbst als Versuchskaninchen für solch ein Experiment angeboten hat.

Jedenfalls ist die weitverbreitete Annahme, eine oder mehrere Begasungen mit Zyklon B würde(n) automatisch zu nachweisbaren Cyanidrückständen führen, falsch. Es bedarf einer Reihe von Voraussetzungen, damit es zu derartigen chemischen Reaktion kommt, wobei von überragender Bedeutung ist, daß das dem Blausäuregas ausgesetzte Mauerwerk kühl und feucht ist und nach Möglichkeit relativ frisch verputzt wurde (alkalischer pH-Wert). Da diese Faktoren besonders im Fall der angeblichen Menschengaskammern in den Krematorien II und III von Birkenau gegeben waren - diese angeblichen Gaskammern lagen unterirdisch, waren nicht beheizbar, besaßen einen lang anhaltend alkalischen Verputz ohne Anstrich oder sonstige Überzüge und sollen mehr oder weniger sofort nach Fertigstellung in "Betrieb" gegangen sein -, ist kein Grund erkannbar, warum hier die Bildung von Eisencyaniden gegenüber den Entlausungskammern prinzipiell benachteiligt gewesen sein soll. Das trifft aber, wohl gemerkt, nicht automatisch auf jeden begasten Raum zu.

Abbildung 9: Die evangelische Kirche in Meeder-Wiesenfeld, Opfer einer mißglückten Zyklon B-Begasung.

Bereits in den Grundlagen zur Zeitgeschichte habe ich anno 1994 über einen Bauschadensfall berichtet, bei dem der Putz der evangelischen Kirche in Meeder-Wiesenfeld nach nur einer Begasung mit Zyklon B innerhalb einiger Monate eisenblau angelaufen war.[19] Nach dieser Publikation habe ich nähere Einsicht in die Akten dieses Bauschadensfalles nehmen können, dessen Rahmenbedingungen in vielerlei Hinsicht denen der angeblichen Menschengaskammern in Auschwitz so sehr ähneln: kühle, unheizbare, feuchte, vor kurzem frisch verputze, alkalische Wände. Dieser Fall beweist allen exterminationistischen Unkenrufen zum Trotz definitiv, daß die Blaufärbung von Verputzen tatsächlich eine Folge von Blausäurebegasungen ist. Green hat von diesem Fall anscheinend noch nie gehört.

Greens größter Nachteil ist, daß er des Deutschen nicht mächtig ist und daher die in den letzten Jahren erarbeiteten Erkenntnisse nicht kennt.[20] So fußen seine Wertungen auf veraltete und z.T. grob falsche Ansichten, die erneut zu widerlegen ich mir hier erspare.[21]

Es sei hier nur noch einmal kurz auf das oft zitierte, im Jahr 1991 erstmals angefertigte und dann in erweiterter Form anno 1994 publizierte Krakauer Gutachten hingewiesen,[22] von dem einige Revisionisten stur behaupten, es würde die Ergebnisse des Leuchter-Gutachtens bestätigen. Dies ist, und das kann nicht oft und nachdrücklich genug betont werden, nicht der Fall. Oberflächlich betrachtet scheint dieses Gutachten vielmehr die Existenz von Menschenvernichtungsgaskammern in Auschwitz zu bestätigen, da sowohl die Analysenergebnisse aus den angeblichen Menschengaskammern als auch jene aus den Entlausungskammern Cyanidrückstände in ähnlichen Größenordnungen (!) aufweisen.

In einer bereits 1995 erschienenen Publikation mit einer sich daran anschließenden Korrespondenz mit den Krakauer Gutachtern habe ich allerdings den Nachweis geführt, daß es sich bei diesem sogenannten Krakauer Gutachten um einen handfesten wissenschaftlichen Betrug handelt. Die Autoren haben nämlich ihre Ergebnisse gefälscht, indem sie bewußt auf eine Analysenmethode zurückgriffen, mit der die langzeitstabilen Eisenblauverbindungen gar nicht nachweisbar sind.[23] Die entsprechenden Analysenergebnisse können daher bei näherer Betrachtung nur als absurd bezeichnet werden. Bis heute bleiben die polnischen Autoren für dieses unsinnige Verfahren eine nachvollziehbare Erklärung schuldig. Daher erkläre ich hier erneut und Öffentlich, daß die Herren (und Damen?) J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz und B. Trzcinska Fälscher und Betrüger sind. Ihre Untersuchung ist weniger als wissenschaftlich wertlos, sie ist eine Schande für die gesamte analytische Chemie. Daß sich Richard J. Green und seine Gesinnungsgenossen auf dieses Gutachten beziehen, zeugt entweder von Unkenntnis, Ignoranz oder von ähnlichen, nur zu vermutenden Intentionen, wie sie auch die vier polnischen Autoren dieses Gutachtens gehabt haben müssen.

4. Schlußfolgerungen

Die Schlußfolgerungen meines Gutachtens, wie ich sie heute zusammenfasse, lauten wie folgt:

In der Decke der angeblichen Menschentötungsgaskammer des Krematorium II in Birkenau, angeblich die am häufigsten verwendete Gaskammer von allen, gab es zu deren angeblicher Betriebszeit keine Löcher. Und es ist sehr wahrscheinlich, daß es auch im Zwillingskrematorium III keine derartigen Löcher gegeben hat. Aber ohne Löcher konnten in diesen Räumen keine den Augenzeugen entsprechenden Vergasungen durchgeführt werden, und ohne derartige Vergasungen gibt es bezüglich des technisierten Massenmordes keine zuverlässigen Augenzeugen. Ohne verläßliche Augenzeugen jedoch gibt es keine Beweise für den Holocaust. Oder, wie Robert Faurisson es ausdrückt:

NO HOLES, NO "HOLOCAUST"

Keine Löcher, kein Holocaust

Weiterhin bin ich davon überzeugt, daß die Chemie keine Wissenschaft ist, die irgendwelche Behauptungen über den Holocaust »rigoros« beweisen oder widerlegen kann, wie dies Richard J. Green fordert. Wir haben eine Reihe von Indizien, die es uns insbesondere zusammen mit den vielen anderen Beweisen erlauben, zu dem Schluß zu gelangen, daß es Massenvergasungen von Menschen entsprechend den Zeugenaussagen nicht gegeben haben kann. Aber auf dem chemischen Argument alleine kann keine abolute Gewißheit aufgebaut werden.

Germar Rudolf, 4. August 1998


Anmerkungen

[1]Germar Rudolf, Le Rapport Rudolf, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1996 (dt.: R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, Cromwell Press, London 1993); B. Clair, »Revisionistische Gutachten«, VffG 1(2) (1997), S. 102f., G. Rudolf, »Das Rudolf Gutachten in der Kritik«, ebenda, S. 104-108.
[2]Vgl. G. Rudolf, »Das Rudolf Gutachten in der Kritik«, aaO. (Anm. 1), S. 105.
[3]Dieser Beitrag ist die überarbeitete und gekürzte Fassung eines Vortrages, der am 9.8.1998 während des vom Adelaide Institute organisierten International Revisionist Symposium (7.-9.8.1998) gehaltenen wurde.
[4]Richard J. Green, »The Chemistry of Auschwitz«, 10.5.1998, und »Leuchter, Rudolf and the Iron Blues«, 25.3.1998.
[5]Deborah E. Lipstadt, Denying the Holocaust: The Growing Assault on Truth and Memory, Free Press, New York 1993; dt.: Leugnen des Holocaust, Rio Verlag, Zürich 1994.
[6]Vgl. z.B. The Journal of Historical Review, 17(2) (1998), S. 34ff.
[7]Vgl. dazu den Versuch deutscher Richter und Psychologen, Revisionisten für geisteskrank zu erklären: VffG, 1(3) (1997), S. 219; 2(1) (1998), S. 35f., 56-60.
[8]Michael Shermer, Why People Believe Weird Things, Freeman & Co. New York 1997; vgl. dazu den vorausgehenden Beitrag.
[9]Air Photo RG 373 Can F 5367, exp. 3185, National Archives.
[10]Gezeichnet nach den von Jean-Claude Pressac publizierten Plänen in: Auschwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate-Klarsfeld-Foundation, New York 1989; hier entnommen meinem Gutachten Das Rudolf Gutachten, aaO. (Anm. 1), S. 81.
[11]http://www.air-photo.com.
[12]Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939 - 1945, Rowohlt, Reinbek 1989, p. 454.
[13]Jean-Marie Boisdefeu, La controvers sur l'extermination des Juifs par les Allemands, Bd. 1, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1994, S. 167.
[14]Danuta Czech, aaO. (Anm. 12), p. 398
[15]Dieser Abschnitt wurde gegenüber der Vortragsfassung dieses Beitrages gekürzt, da hierzu schon anderweitige Veröffentlichungen in deutscher Sprache vorliegen, vgl. mein Gutachten, aaO. (Anm. 10), S. 24-29; G. Rudolf/E. Gauss, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 255-258.
[16]F. A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1988.
[17]Zu diesem Mechanismus vgl. Ernst Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993, S. 163ff., 290-294; Rudolf Gutachten, aaO. (Anm. 1), S. 39-45.
[18]Siehe dazu allgemein mein Gutachten (Anm. 10), die Vorlesungen (Anm. 17) und den entsprechenden Beitrag in den Grundlagen (Anm. 15).
[19]In Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, aaO. (Anm. 15), S. 401ff., basierend auf einem von Walter Lüftl aufgespürten Beitrag in Günter Zimmermann (Hg.), Bauschäden Sammlung, Band 4, Forum-Verlag, Stuttgart 1981, S. 120f.
[20]Vgl. neben dem zuvor genannten Beitrag in den Grundlagen (Anm. 15) auch: E. Gauss, in: ebenda, S. 401-404; Wolfgang Lambrecht, »Zyklon B - eine Ergänzung«, VffG 1(1) (1997), S. 2-5; Conrad Grieb, »Der selbstassistierte Holocaust-Schwindel«, VffG 1(1) (1997), S. 6-8; Carlo Mattogno, »Die Gaskammern von Majdanek«, VffG 2(2) (1998), S. 118, Fußnote 5.
[21]Die ungekürzte englische Originalfassung dieses Beitrages mit detaillierten Kritiken an Greens Ausführungen kann im Internet heruntergeladen werden unter: http://www.vho.org/GB/c/GR/Green.html
[22]J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990; teilweise veröffentlicht z.B. in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 39(2) (1991), S. 18f.; J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, Z Zagadnien Nauk Sadowych, 1994, Z XXX, S. 17-27.
[23]Vgl. dazu G. Rudolf, Deutschland in Geschichte und Gegenwart 43(1) (1995), S. 22-26; J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, G. Rudolf, Briefwechsel, in: Sleipnir 1(3) (1995), S. 29-33; Nachdruck in: Herbert Verbeke (Hg.), Kardinalfragen zur Zeitgeschichte, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1996.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(1) (1999), S. 77-82.
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